

Option 3
Gesamtkosten als Mehrkosten für den Verbraucher darstellen
Die dritte Option bietet die Chance zur Irreführung, selbst wenn der Spieler einem seriösen Kostenbegriff folgte. Als Kronzeuge sei hier die Deutsche Energie-Agentur (dena) herangezogen, mit ihrer Pressemeldung vom 18. April 2011. dena-Chef Kohler greift in die Rhetorik-Trickkiste, mit einer Doppelbotschaft in der Überschrift der Meldung: Werbung für den Atomausstieg („... kostet aber lohnt sich“) und zugleich Anmahnung einer „ehrlichen Diskussion“; also das Muster von ‚Haltet den Dieb!‘. Sein Beitrag zu der angemahnten „ehrlichen Diskussion“ besteht in der Ankündigung einer Erhöhung des Strompreises um „4 bis 5 Cent pro Kilowattstunde“ – was, wenn es wahr wäre, horrend wäre.
Quantitativ gesehen handelt es sich um eine Extremvariante, doch hier soll es nicht um Kritik der quantitativen Behauptungen sondern um Muster gehen. Seriös an diesem Ansatz ist, dass die relevante Frage gestellt wird, die nach dem Effekt veränderter Erzeugungskosten auf die Strompreise (der Haushalte). Nicht seriös aber ist, dass der Strompreiseffekt errechnet wird, indem Kostenaufschläge auf sämtlichen Stufen der Produktion von Strom aufaddiert werden, nach dem Muster der Kostenaufschlagskalkulation. Das kommt beim Laien gut an, hat der doch vom Markt die ideale Vorstellung, er funktioniere dadurch in fairer Weise, dass er Kosten sämtlicher Produktionsstufen durchreicht bis zum Endabnehmer. Bis zur Liberalisierung der leitungsgebundenen Energieversorgung, also eines natürlichen Monopols, mag diese Vorstellung einer Preisbildung durch Summierung von Kosten angemessen gewesen sein, denn das sicher zu stellen war Aufgabe der Preisaufsicht, die damals noch existierte. Seit der Liberalisierung aber bilden sich (wesentliche Elemente der) Strompreise an Börsen, nach anderen Gesetzen (merit order). Nicht die durchschnittlichen Erzeugungskosten sämtlicher Kraftwerke entscheiden über den Strompreis, sondern die Brennstoffkosten des letzten noch für die Lastdeckung benötigten Kraftwerks. Als Faustregel darf gelten: Verdrängen Kraftwerke mit niedrigeren Betriebskosten solche mit höheren, dann sinken die durchschnittlichen Strompreise. Exakt dies aber ist die Struktur der anstehenden Substitution von Atomkraftwerken durch Erneuerbaren-Kraftwerke. Die Daumenrechnung der dena ist somit nicht nur unprofessionell, sondern lenkt zudem zur falschen Seite aus. Also auch hier die Diagnose: Foul im Kampfspiel.
Ehrliche Diskussion hat noch nicht begonnen
Es zeigt sich: Eine ehrliche Diskussion von Gewinn und Kosten beim vorgezogenen Ausstieg aus der Atomenergie hat mit den Frühstartern, deren Behauptungen die Medienlandschaft beherrschen, noch nicht begonnen. Meine persönliche Hoffnung ist, dass die Atomenergie-Ethikkommission zwischen Foulspiel und fairem Spiel zu unterscheiden vermag und damit einem ernstlichen Diskurs das Feld eröffnet.
Option 1: Mehr-Investitionen als Zusatz-Kosten ausgeben
Option 2: Laufzeitverkürzung mit Umsatzeinbußen gleichstellen
Option 3: Gesamtkosten als Mehrkosten für den Verbraucher darstellen
