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Wohnen und Arbeiten unter einem Dach
Wohnen und Arbeiten unter einem Dach, eine herausragende funktionale und gestalterische Qualität, gepaart mit einem hohen Anspruch an Ökologie, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit – so lauteten die Grundideen für das Passivhaus in Holzbauweise, das eine Architektin für sich und ihre Familie in einer Einfamilienhaussiedlung am südlichen Stadtrand von Mittenwalde/Mark (etwa 35 km südlich von Berlin) gebaut hat.
Das Entwurfskonzept des Gebäudes orientiert sich an den funktionalen Anforderungen eines Passivhauses: Der zweigeschossige Baukörper besitzt eine einfache, kompakte Bauform, auf eine Unterkellerung wurde aus finanziellen und ökologischen Gründen verzichtet. Die klare äußere Struktur des Wohn- und Bürohauses setzt sich im Inneren in den Grundrissen fort. Während die Funktionszonen im Norden angeordnet sind und kleine Fassadenöffnungen besitzen, orientieren sich die Aufenthaltsräume mit großen Fensterflächen nach Süden.
- Hausdetails
- Galerie
- Modernisierung
- Finanzierung & Erfolge
| Adresse |
Mittenwalder Aue 27 15749 Mittenwalde |
|---|---|
| Nutzfläche | 175 m2 |
| Anzahl Geschosse | 2 |
| Baujahr | 2006 |
| Haustyp | Ein- oder Zweifamilienhaus |
| Bauweise | Holzbau |
| Dachform | Pultdach |
Dämmung
Maßnahme
Das um 5 ° geneigte Pultdach des Einfamilienhauses ist aus Holzstegträgern mit einer Höhe von 35,6 cm konstruiert. Es schließt zum Wohnraum hin mit einer doppelten Gipskartonbeplankung aus 10 mm starken Faserplatten mit Anstrich ab. Darüber befindet sich eine 3/5 cm starke Traglattung.
Die Dampfbremse bildet den unteren Abschluss der 35,6 cm dicken Dämmebene, die zwischen den Holzstegträgern mit Zellulose der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 040 verfüllt ist. 3 cm starke OSB-Holzwerkstoffplatten, eine diffusionsoffene Trennlage sowie Strukturmatten komplettieren den Schichtaufbau des Daches, das mit Aluminium-Klemmfalzprofilen eingedeckt ist. Insgesamt weist die Konstruktion einen U-Wert von 0,11 W/m²K auf. Die Entwässerung der Dachfläche erfolgt über ein Fallrohr. Um das Aluminium-Dach gegenüber der Fassade abzusetzen und optisch leichter wirken zu lassen, ist auf Höhe der Dämmebene ein umlaufender Putzstreifen in roter Farbe angebracht.
Maßnahme

Die Außenansicht des Gebäudes lebt vom Kontrast zwischen der unbehandelten Holzverschalung aus sibirischer Lärche und den roten Farbakzenten von Fenstern und Haustür. Da die Architektin und ihre Familie einen sehr hohen ökologischen Anspruch an ihr Wohnhaus stellten, wurde die Gebäudehülle zu großen Teilen aus nachwachsenden Rohstoffen errichtet. Der Schichtaufbau der Außenwände besteht von innen nach außen aus 10 mm Gipsfaserplatten mit Anstrich auf 12 mm OSB-Holzwerkstoffplatten. Dahinter schafft eine 10/6 cm starke Holzlattung Raum für die Installationsebene, deren Zwischenräume mit Zellulose gedämmt sind. Von 15 cm starken OSB-Holzwerkstoffplatten mit verklebten Stößen wird sie zur Tragkonstruktion hin luftdicht abgeschlossen. Diese ist zwischen den Holzständern über eine Tiefe von 24 cm ebenfalls mit Zellulose der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 040 ausgefüllt. Eine 3,6 cm dicke, regensichere und diffusionsoffene Holzweichfaserplatte nimmt die vertikale Lattung in den Abmessungen 3/5 cm auf, die schließlich die 2,1 cm starken, horizontal angeordneten Fassadenprofile aus unbehandelter sibirischer Lärche trägt. Die hinterlüftete Fassadenkonstruktion besitzt einen U-Wert von 0,12 W/m²K. Zusammen mit den 0,75 W/m²K der dreifach verglasten Fenster sowie den 0,71 W/m²K der Hauseingangstür lassen sich die Wärmeverluste über die vertikalen Außenflächen durch diese Bauweise stark minimieren. Die Außenhülle des Passivhauses ist als Holzrahmenkonstruktion mit tragenden Pfosten in den Dimensionen 6/24 und 8/24 cm konzipiert. Das Erdgeschoss wird in der Gebäudequerrichtung von einer Holzbalkendecke mit Trägern in den Abmessungen 8/24 und 12/24 Cm überspannt. Im Bereich der über die gesamte Hausbreite offenen Koch- und Esszone liegt die Decke auf einem Unterzug aus Brettschichtholz auf, der wiederum auf zwei Leimholz-Stützen ruht.
Maßnahme
Auf der mit einer Bitumenschweißbahn abgedichteten, 20 cm starken Bodenplatte aus Stahlfaserbeton ist eine 19 cm dicke Dämmschicht aus Polyurethan-Hartschaum mit Aluminiumkaschierung aufgebracht. Dieser Dämmstoff weist eine Wärmeleitfähigkeit von 0,024 W/mK auf und wird von einer PE-Folie abgedeckt. Darüber befindet sich ein etwa 5 cm starker Zementestrich mit einem Oberbelag aus Parkett, Feinsteinzeug oder Linoleum. Der Fußboden des Erdgeschosses besitzt einen U-Wert von 0,14 W/m²K.
Fenster
Maßnahme

Bei den Fenstern entschieden sich die Bauherren aus wirtschaftlichen und gestalterischen Überlegungen heraus für dreifach verglaste Kunststofffenster mit einer pflegeleichten Aluminium-Vorsatzschale. Ein weiteres auffälliges Gestaltungsmerkmal sind die Schiebeläden, die aus Stahlrahmen mit fest verschraubten Lamellen aus Lärchenholzprofilen bestehen und für den nötigen Sonnen- und Blendschutz auf der Süd- und Westseite des Wohnhauses sorgen.
Heizung
Maßnahme

In hochgedämmten Passivhäusern ist der Wärmebedarf so gering, dass sie ohne herkömmliches Heizsystem auskommen. Die Beheizung erfolgt deshalb über die Lüftungsanlage, die aufgrund der extremen Luftdichtheit der Gebäude eingebaut werden muss, um ein anhaltend angenehmes Raumklima zu gewährleisten. Im Einfamilienhaus in Mittenwalde übernimmt diese Aufgabe der Compact-Energy-Tower Vitotres 343 von Viessmann. Dieser kombiniert eine Abluft-Wärmepumpe mit einer Leistung von 1,5 kW mit einer Anlage zur kontrollierten Wohnungslüftung. Das Lüftungsgerät versorgt die Wohnräume über ein Kanalsystem mit frischer Zuluft und saugt die verbrauchte Luft aus Küche und Bädern ab. Dabei nutzt die Wärmepumpe den Anteil der Abluftwärme, der von der Wärmerückgewinnung der Lüftung nicht verwertet werden kann, und benutzt ihn zur Nacherwärmung der Zuluft oder zur Trinkwassererwärmung. An extrem kalten Tagen mit hohem Wärmebedarf sichert ein integrierter, dreistufiger Elektro-Heizstab die Versorgung. Der errechnete Wert für den Heizwärmebedarf von 13 kWh/m²a wurde im ersten Jahr mit 7,8 kWh/m²a deutlich unterschritten. Auch beim Primärenergiebedarf erreichte das Passivhaus statt der rechnerischen 74 kWh/m²a sehr gute 64,8 kWh/m²a.
Solar / Photovoltaik
Maßnahme

Ein ebenfalls in den Compact-Energy-Tower eingebauter Speicher-Wassererwärmer mit 250 l Inhalt versorgt das Wohnhaus mit Warmwasser. Dabei wird er von zwei Viessmann Vitosol 100 Solarkollektoren unterstützt, die in einem Winkel von 50° gegen die Horizontale auf dem flachgeneigten Dach des Gebäudes aufgeständert sind. Diese überzeugen vor allem durch ihren hohen Wirkungsgrad und ihr geringes Gewicht. Die hochselektive Sol-Titan-Beschichtung, das Gehäuse aus einem umlaufend gebogenen Aluminium-Rahmen ohne Gehrungsschnitte und scharfe Kanten, die nahtlos ausgeführten, witterungs- und UV-beständigen Scheibeneindichtungen sowie die durchstoßsichere Rückwand aus Aluminiumblech garantieren darüber hinaus Montagefreundlichkeit, Langlebigkeit und eine dauerhaft hohe Energieausnutzung.
sonstige
Maßnahme

Die Ansaugung der Außenluft erfolgt über eine im Südosten des Grundstücks gelegene Box. Diese filtert Staub und Pollen und leitet die Luft im Anschluss über einen 65 m langen Erdreichwärmetauscher, der südlich des Gebäudes in 1,50 m Tiefe im Garten verlegt ist, vorerwärmt ins Innere des Wohnhauses. Zusätzlich ist noch eine direkte Ansaugmöglichkeit über eine motorisch gesteuerte Klappe vorhanden. Die Leitungsführung erfolgt im Erdgeschoss innerhalb der Installationswand zwischen Duschbad und Haustechnikraum sowie in der Holzbalkendecke. In der oberen Etage sind die Lüftungskanäle innerhalb der abgehängten Decke im Flur untergebracht. Über an den Wänden montierte Weitwurfdüsen gelangt die Zuluft schließlich in die Aufenthaltsräume. Zur Überprüfung der Luftdichtigkeit der Gebäudehülle wurde vor dem eigentlichen Innenausbau ein Blower-Door-Test durchgeführt. Der für Passivhäuser empfohlene Wert für den Luftwechsel von 0,60 pro Stunde wurde mit 0,51 pro Stunde klar unterschritten.
Maßnahme

Die tragenden Innenwände sind als 14 bzw. 12 cm dicke Holzständerwände mit beidseitiger doppelter Gipskartonbeplankung in 10 mm Stärke und Zelluloseeinblasdämmung ausgeführt. Für die nicht-tragenden Raumabschlüsse kamen 11,5 cm dicke Metallständerwände zum Einsatz, die jedoch dieselbe Verkleidung und Dämmung erhielten. Die tragenden inneren Raumabschlüsse sind als Holzständerwände in den Abmessungen 10/14 bzw. 8/8 cm ausgebildet. Sämtliche nicht-tragenden Trennwände besitzen eine Unterkonstruktion aus 75 mm tiefen, verzinkten Stahlprofilen. Auch die Holzständerkonstruktion der Fahrradgarage und des Carports aus 8/8 cm starken Vollholzprofilen ruht auf Streifenfundamenten. Die Pfosten sind in einem Abstand von 62,5 cm angeordnet, die Sparren in den Dimensionen 10/16 cm folgen ebenfalls diesem Raster.
Finanzierung
| Gesamtkosten | 220000 € |
|---|---|
| Kosten pro m2 | 1260 € / m2 |
Erfolge
Mit ihrem Haus hat die Architektin den „Förderpreis 2007 für junge Architekten“ des Landes Brandenburg gewonnen. Die Benutzbarkeit des Hauses auch in späteren Jahren durch Barrierefreiheit und die Flexibilität in der Nutzung sichergestellt. Ein hoher ökologischer Anspruch wurde durch die Ausführung als Passivhaus mit geringem Energiebedarf, großer Energieeffizienz und geringer Umweltbelastung umgesetzt. Die Gebäudehülle wurde zu großen Teilen aus nachwachsenden Rohstoffen errichtet. Mit einem ihrer ersten Projekte ist es der Architektin gelungen, ihren Standpunkt zum zukunftsfähigen Bauen nachhaltig und qualitätsvoll darzustellen. Der Förderpreis würdigt diese außerordentliche Leistung und soll Mut machen, auf diesem entwicklungsfähigen Weg weiterzumachen, auch wenn sie zukünftig andere Bauherren überzeugen muss.
| Vorher | Nachher | |
|---|---|---|
| Energieträger | Strom | - |
| Nutzfläche | 175 m² | 175 m² |
| Energieverbrauchskennwert | 25 kWh/m², a | 25 kWh/m², a |
| CO2 Emissionen | 5 g/m², a | 5 g/m², a |













