Lüftungsanlagen: Das sind die Kosten

Lüftungsanlagen kosten zunächst einmal Geld. Wie hoch die Kosten für kontrollierte Wohnraumlüftung sind, mit welchen Mehrkosten Sie für ein System mit Wärmerückgewinnung planen müssen, wie viel an Heizkosten Sie damit sparen können und welche Fördermittel es gibt, haben wir Herrn Peter Paul Thoma, den Geschäftsführer des Bundesverbandes für Wohnungslüftung, gefragt.

Zunächst zu den Kosten von Lüftungsanlagen ganz allgemein: Mit welcher Preisspanne muss ich rechnen, wenn ich ein Einfamilienhaus baue und überlege, mir eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung bzw. eine reine Abluftanlage einbauen zu lassen?

Bei reinen Abluftanlagen werden in Küchen, Bädern und eventuell in Lagerräumen Abluftventile gesetzt, die über einen Ventilator ohne Wärmerückgewinnung die Luft kontrolliert nach außen fördern – in Aufenthaltsräumen wie Wohn-, Schlaf-, Arbeits-, Gäste- und Kinderzimmer werden Außenluftdurchlässe gesetzt, die dann die gleiche Menge, die an Abluft abgeführt wird, wieder nachführen – diese Anlagen kosten in einer Dreizimmerwohnung zwischen 1.200 und 1.500 Euro, im Einfamilienhaus je nach Zimmeranzahl bis zu 2.500 Euro.

Die komfortablere und energetisch effizientere Anlage ist die Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung. Sie hat in den Zulufträumen keine Außenluftdurchlässe, sondern Zuluftventile und wie bei der zuvor beschriebenen Anlage auch in den Ablufträumen Abluftventile. Die Zuluftmenge ist gleich der Abluftmenge. Die Wärme aus den Räumen in der Abluft wird über einen Wärmetauscher mit der kalten Zuluft im Winter getauscht, sodass mindestens 75 Prozent der thermischen Energie der Abluft, bei manchen Anlagen auch mehr, zurückgewonnen und an die Zuluft übertragen wird. Diese Anlagen kosten als zentrale Lösung im Mehrfamilienhaus beziehungsweise als dezentrale Lösung je Wohneinheit zwischen 4.000 Euro und 6.000 Euro. Zwischen dezentralen und zentralen Lösungen gibt es nur wenig Preisdifferenzen, da die geringen Gerätekosten durch Auflagen wie Brandschutzklappen, Reinigungsmöglichkeiten und Regelbarkeit wieder aufgebraucht werden.

Man muss allerdings unbedingt schauen, welche Luftleistungen, welche Filter, welches Rohrsystem, welche Reglungen (CO2-Fühler, Feuchte-Fühler) sinnvoll sind – wir sprechen lieber erst über den Nutzen einer Anlage und dann über die Kosten!

Alle Kostenangaben, die hier genannt werden, sind inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer und beinhalten Material, Montage- sowie Inbetriebnahmekosten.

Und die Kosten für eine kontrollierte Wohnraumlüftung bei einem bereits bestehenden Gebäude? Wie unterscheiden diese sich vom Neubau?

Hier kommen natürlich bauseitige Aufwendungen, wie Elektriker für den Stromanschluss, Malerarbeiten und Schönheitsreparaturen, dazu, die in den nachstehenden Kosten nicht enthalten sind. Es gibt allerdings gute Einzellösungen für Mehrfamilienhäuser, die sich oberhalb von Küchenschränken, in Abstellkammern oder in der Zwischendecke der WC-Anlage integrieren lassen. Die Dunstabzugshaube in der Küche sollte dann als Umluftanlage betrieben werden.

Das Kanalsystem kann im Flur an der Deckenecke zur Wand geführt werden und wird später kaum auffallen. Ein solches System liegt bei 6.000 Euro im Mehrfamilienhaus und kann je nach Anzahl der Zimmer und des Komfortbedarfs der Anlage bis zu 10.000 Euro kosten.

Kontrollierte Wohnraumlüftung: Kosten und Fördermittel

Wie sieht es mit der Förderung von Lüftungsanlagen aus: Für welche Systeme der kontrollierten Wohnraumlüftung kann ich Fördermittel beantragen und welcher Anteil wird in der Regel gefördert?

Im Rahmen der Einzelmaßnahmen der KfW sind folgende Anlagen förderfähig:

  • bedarfsgeregelte Abluftsysteme, die Feuchte-, CO2- oder Mischgasgeführt sind
  • zentrale, dezentrale oder raumweise Anlagen mit Wärmeübertrager
  • Kompaktgeräte für energieeffiziente Gebäude

Die genauen technischen Anforderungen und weitere Details finden Sie im Anforderungskatalog der KfW. Die Einhaltung der Anforderungen an die Lüftungsanlagen ist durch eine Fachunternehmererklärung zusammen mit einer Herstellerbescheinigung für die Gerätekomponenten auf Grundlage der DIN V 4701-10/12, DIN V 18599-6 und DIN 1946-6 zu dokumentieren. Daneben ist die Einhaltung der Anforderungen an die Luftdichtheit des Gebäudes nach § 6 der EnEV2009 mittels Luftdichtheitsmessung nachzuweisen. Dabei ist nachzuweisen, dass der gemessene Wert n50 = 3,0 h-1 nicht überschreitet. Bei Anlagen mit WRG ist über einen Blower-Door-Test die Gebäudedichtheit <1,5 h-1 nachzuweisen. 

Meine Empfehlung: Nehmen Sie sich einen Energieberater, der sich mit dem Förderdschungel auskennt – manchmal geben örtliche Energieversorger nämlich noch etwas zu energetischen Maßnahmen hinzu.

Anmerkung der Redaktion: Mit dem FördermittelCheck und unserem kostenlosen Online-Branchenbuch Rat und Tat finden Sie den passenden Energieberater und Fördermittel für Ihre geplanten Maßnahmen.

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung: Zu den Kosten kommt ein Gewinn an Wohnqualität

Wie viel an Kosten kann ich sparen, wenn ich mich für eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung entscheide, statt für eine reine Abluftanlage bzw. statt gar keiner Lüftungsanlage?

Über die Wärmerückgewinnung erhalten Sie gemäß Berechnung nach DIN 4701-10 und DIN 18599, die für die öffentlich rechtlichen Nachweise wie Energieausweise und KfW-Förderungen herangezogen werden, ungefähr 3.000 kWh Endenergie im KfW-Effizienzhaus zurück. Dies entspricht ungefähr 200 Euro im Jahr bei der Wärmeerzeugung mit Erdgas – das sind beim Effizienzhaus immerhin 20 bis 50 Prozent der Energiekosten. Im Altbau liegt die Ersparnis sogar höher. Aus meiner Sicht ist die Lüftung sowieso notwendig, weswegen man nur die Mehrkosten der Wärmerückgewinnung bei einer Amortisationsrechnung ansetzen kann. Man kommt dann auf ungefähr drei Jahre! Zu den Kosten kommt ein Gewinn an Wohnqualität und Gesundheit hinzu.

Welche Kosten kommen für Betrieb und Pflege einer Belüftungsanlage auf mich zu?

Die Filter des Lüftungssystems sollten in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden. Dies betrifft sämtliche im System verbauten Filter. Wichtig ist, die Filter analog ihrer Klassifikation (G4, F7, ...) auszutauschen. Bei regulärem Betrieb der Lüftungsanlage (nicht während der Bauphase) liegen die Wechselintervalle bei ungefähr sechs bis zwölf Monaten. Die Kosten für einen kompletten Filtersatz liegen bei 40 bis 90 Euro im Jahr – die Häufigkeit des Wechselns hängt von der Außenluftverschmutzung ab.

Reine Abluftanlagen verursachen anlagenbedingt geringere Kosten. Mit Filtern sind nur die Küchenelemente betroffen, die man oft in der Spülmaschine reinigen kann. Bei innenliegenden Bädern kommen jedoch Brandschutzwartungen in MFH hinzu. Zu empfehlen ist eine jährliche Wartung und der Abschluss eines Wartungsvertrages.

Die Reinigung von Kanälen ist nicht zwingend vorgeschrieben und aus meiner Sicht nur nach vorhergehender Inspektion alle fünf bis acht Jahre erforderlich. Wenn eine Reinigung erfolgt, kann diese zwischen 400 bis 800 Euro kosten. Die Filter kann man nach einer Anleitung auch selbst tauschen!

Kosten sind nicht alles – Luftqualität, Wohnkomfort, Schutz vor Gebäudeschäden und Schimmel sind weitere wichtige Aspekte. Daher abschließend die Frage: Für welche Wohnsituationen empfehlen Sie Lüftungssysteme?

Vielen Dank, dass Sie auch diese Frage stellen, ich halte sie für entscheidend – kann aber auch verstehen, dass der Verbraucher die Kosten einschätzen will. Bei immer dichteren Gebäuden wie KfW-Effizienzhäusern und Passivhäusern, aber auch bei normalen Neubauten, die nach der gültigen EnEV gebaut werden, ist die Infiltration von Außenluft durch Undichtigkeiten nicht mehr gegeben. Das gilt auch für energetisch sanierte Altbauten! Zur fehlenden frischen Außenluft und der Abfuhr von feuchter und verbrauchter Luft kommt hinzu, dass Baustoffe, Teppiche oder Möbel oft giftige Ausdünstungen erzeugen, die dann bei dichten Gebäuden vom Bewohner eingeatmet werden. Pollen sind für viele Menschen ein Thema – Filter können diese ganz draußen lassen. In Wohngebieten an stark befahrenen Straßen oder an Flughäfen kann tagsüber oft nicht das Fenster wegen Lärmemissionen geöffnet werden. In ruhigeren Gebieten besteht bei offenen Fenstern unter Umständen Einbruchgefahr. Last but not least sorgt die Wärmerückgewinnung auch für Einsparung an CO2 und Primärenergie auf der Heizungsseite!

Ventilatorgestützte Lüftungsanlagen sind in Passivhäusern und allen Einfamilienhäusern, die von der KfW gefördert werden, empfehlenswert! Durch die neue EnEV ist der energetische Sollwert und die erforderliche Dämmung der Gebäude so stark angestiegen, dass man sagen kann: Kontrollierte Wohnraumlüftung, egal ob reine Abluft- oder Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung ist erforderlich! Ordnungsrechtliche Maßnahmen gibt es zwar noch nicht, aber es ist, laut DIN 1946 Teil 6, ein Lüftungskonzept zu erstellen und somit zu prüfen, ob die Lüftung zum Feuchteschutz und die Nennlüftung eingehalten werden. Das würde ich so nicht sagen, sondern positiv ausdrücken: Wer sein Gebäude schützen will und ständig in sauberer und gesunder Luft leben möchte, der sollte über Lüftungsanlage nachdenken – oder muss mit den Folgen der ungesunden Luft und den Bauschäden leben!

In unsanierten Altbauwohnungen sind die kontrollierten Wohnraumlüftungsanlagen nicht zwingend erforderlich, sie tragen jedoch erheblich zu gesünderer Luft und mehr Komfort bei!

Herr Thoma vom Bundesverband für Wohnungslüftung e.V.  gab uns dieses Interview im Februar 2014.


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