Interview: OLEDs und LED-Kosten

LEDON-Geschäftsführer Detlef Mikulsky wagt im Interview einen Blick in die Zukunft der LED und spricht über OLEDs, Elektrosmog, die LED-Kostenentwicklung und seltene Erden – und prognostiziert, wann LEDs billiger werden.

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Detlef Mikulsky, LEDON-Geschäftsführer

Detlef Mikulsky, Geschäftsführer von LEDON

Vielen Verbrauchern sind LED-Lampen derzeit einfach noch zu teuer. Wird es in Zukunft billigere LEDs geben oder haben die Hersteller da schon das Ende der Fahnenstange erreicht?

Detlef Mikulsky: Da ist sicherlich noch Potenzial vorhanden. In den vergangenen drei, vier Jahren sind die Preise für LED-Lampen schnell gefallen. Wir gehen jetzt von zehn bis 15 Prozent Preisreduktion pro Jahr aus – bei gleichzeitig mehr Technik und Funktionen. Man bekommt jedes Jahr mehr für weniger Geld. Die Anschaffung einer hochwertigen LED-Lampe rechnet sich schon heute, denn sie spart gegenüber der Glühlampe 80 bis 85 Prozent Energie ein.

LED-Kosten sinken um 10 bis 15 Prozent pro Jahr

Es gibt aber sehr große Qualitätsunterschiede, beispielsweise bei der Lebensdauer und der Lichtqualität. Das wird von den Verbrauchern oft vergessen, vom Fachhandel ebenso. Wir bekommen oft zu hören: „Wir haben hier eine LED-Lampe, die kostet nur 3,99 Euro.” Doch das ist wie bei einem Auto. Da gibt es große Spannen. Sie können einen einfachen alten Wagen für 1.000 Euro bekommen, sie können aber auch für einen Luxuswagen 100.000 Euro investieren.

Eine 100 Watt-Glühlampe unterscheidet sich von einer 25 Watt-Glühlampe eigentlich nur durch die Dicke des Glühfadens. Da sind die Herstellkosten ziemlich identisch. Bei der LED-Technik ist das ganz anders. Ich muss nämlich für mehr Licht mehr LED-Chips haben. Ich brauche also mehr Elektronik. So kommen die Preisunterschiede zustande.

Für die Herstellung von LEDs werden seltene Erden benötigt. Die teuren Rohstoffe sind weltweit knapp und werden immer teurer. Lässt sich so überhaupt die ganze Welt mit effizienten LED-Lampen ausstatten?

Detlef Mikulsky: Es steht außer Frage, dass es genug seltene Erden für LED-Lampen gibt. Man darf nicht vergessen: Die Verknappungsdiskussion ist zu einem Großteil auch politisch motiviert und soll dabei helfen, Preise nach oben zu treiben. China kontrolliert immerhin über 90 Prozent der Weltmarktförderung und genießt eine Monopolstellung. Die seltenen Erden werden darüber hinaus ausschließlich für den LED-Chip verwendet und das in verschwindend geringen Mengen. Es wird wesentlich weniger benötigt als bei einer Energiesparlampe oder einer Leuchtstoffröhre. Hinzu kommt, dass die Industrie an ganz neuen LED-Technologien arbeitet, die auch ohne seltene Erden auskommen. Zum Beispiel an der OLED, der organischen LED.

OLEDs für Privathaushalte in 5 bis 10 Jahren

Können Sie kurz erklären, was eine OLED ist?

Detlef Mikulsky: Die bekannte LED-Technik hat den Vorteil, dass sie eine sehr hohe Leuchtdichte besitzt, das heißt man kann aus einer sehr kleinen Fläche sehr viel Licht generieren – bestens geeignet für die Akzentbeleuchtung, zum Beispiel mit Spots. Die OLED geht dagegen in eine ganz andere Richtung. Da geht es um Flächenstrahler. Mit extrem dünnen Folien könnten zum Beispiel komplette Decken oder Fensterscheiben beleuchtet werden. Das sind zwei ganz unterschiedliche Anwendungen. OLED sind auch noch recht teuer. Es dürfte fünf bis zehn Jahre dauern, bis diese LED-Technik den privaten Endverbraucher erreicht.

Einer der größten Kritikpunkte bei Energiesparlampen ist deren Entsorgung als Sondermüll. Wie steht es um das Recycling von LEDs?


Detlef Mikulsky: Ausgediente LED-Lampen sind Elektroschrott. Wenn sie im normalen Hausmüll landen, dann vergeuden wir wertvolle Ressourcen. Sie sind aber sicherlich keine Gefährdung für die Umwelt. Ich denke, da liegt der große Unterschied, denn Energiesparlampen enthalten Quecksilber, zum Teil in Form von Amalgamverbindungen, und sind deswegen noch giftig für die Umwelt. Bei den ohnehin viel länger haltbaren LED-Lampen ist es am besten, wenn die Leute die ausgedienten Produkte zu den bekannten Wertstoffhöfen bringen. Von dort gehen sie an Unternehmen, die auf Recycling spezialisiert sind. Das ist viel effizienter als ein Recycling-Konzept jedes einzelnen Herstellers.

Elektrosmog ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor für sparsames Beleuchten. Ökotest hat festgestellt, dass auch bei einigen LED-Lampen Elektrosmog-Werte gemessen werden, die über der Norm für Computermonitore liegen. Sind dafür Lösungen in Sicht?

Detlef Mikulsky: Elektrosmog ist kein lampenspezifisches Thema, denn es betrifft eigentlich alle Elektrogeräte, auch ein Handy oder ein Babyphone im Haushalt. Sie kennen vielleicht das Phänomen, dass Sie ein Küchengerät einschalten und dadurch das Radio gestört wird. Das sind Effekte, die weitaus stärker zu bewerten sind als die elektromagnetische Strahlung von Lampen. Aber es gehört natürlich für jeden Hersteller dazu, Strahlung weiter zu minimieren und dort Bestwerte zu erzielen. Wir messen auch hier bei LEDON die so genannte EMV, die elektromagnetische Verträglichkeit. Da gibt es Richtlinien vom Gesetzgeber, wie zu messen ist und welche Grenzwerte einzuhalten sind.

Selbst für das Flutlicht kleinerer Sportplätze gibt es inzwischen eine LED-Alternative. Welche großen und kleinen Innovationen mit LED-Technik erwarten Sie für die nächsten Jahre?

Detlef Mikulsky: Wir wissen, dass der Mensch auf bestimmte Wellenlängen reagiert. Am Abend wird bei rötlichem Licht eher Melatonin ausgeschüttet und man wird müde. Bläuliches Licht, wie wir es von der Sonne gewohnt sind, muntert auf und macht frisch. Mit LED-Licht kann also der natürliche Biorhythmus unterstützt werden [Anmerkung der Redaktion: Welche Energiesparlampen oder LEDs sich für welchen Raum eignen, lesen Sie im Artikel zu Watt, Lumen und Fassungen von Sparlampen.].

Mit der Funktion „Sunset Dimming” haben wir da einen ersten Schritt gemacht. Wenn Sie eine solche Lampe herunter dimmen, verändert das Leuchtmittel seine Farbtemperatur. Das Licht wird rötlicher und erscheint wärmer. Wie bei einem Sonnenuntergang. Im Unterschied zur gedimmten Glühlampe haben sie jedoch mit der LED-Lampe auch noch genug Licht, um etwas zu sehen. Weitere Schritte werden sicherlich die bessere Integration der LED in den Haushalt im Sinne eines „Smarter Wohnens” und Sparmöglichkeiten mit intelligenter Beleuchtung sein – zum Beispiel mit Detektoren, die dafür sorgen, dass das Licht automatisch angepasst wird, wenn sie ein Zimmer betreten oder es wieder verlassen.

„LED wird Lichtempfinden revolutionär verändern”

Nur: Dazu müssen wir auch die Verbraucher auf die Reise mitnehmen. Denn wenn Sie heute einem Kunden ein solches Hightech-Gerät anbieten, dann wird er damit noch gar nicht viel anfangen können. Es wird ein bisschen dauern, bis er diese Akzeptanz für solche neuen Technologien auch hat. Aber ich bin fest davon überzeugt: Die LED wird unser Lichtempfinden zuhause ganz revolutionär verändern. Das Licht wird effizienter denn je und wir werden auch den Faktor Wohlbefinden durch gutes Licht noch viel mehr zu spüren bekommen, als wir das bis dato von der Energiesparlampe gewohnt waren. Ein/aus ist vorbei. Jetzt geht es darum, mit Licht ganz neue Dinge zu erleben.

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