Stiftung Warentest zu Energiesparlampen

Die Kompaktleuchtstofflampe, meist „Energiesparlampe” genannt, hat keinen besonders guten Ruf. Viele Verbraucher halten sie sogar für gefährlich. Dr. Peter Schick, Projektleiter der Stiftung Warentest, über Quecksilber, Elektrosmog und die Lebensdauer von Energiesparlampen.

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Energiesparlampen: Quecksilbermenge zu gering, um gefährlich zu sein

Stiftung Warentest-Experte Dr. Peter Schick

Dr. Peter Schick, Stiftung Warentest

Viele Verbraucher haben Angst vor dem in Energiesparlampen enthaltenen Quecksilber. Wie groß schätzen Sie die Gefahr ein?

Peter Schick: Wir messen bei allen von uns geprüften Lampen stets auch die enthaltene Quecksilbermenge. Da die Energiesparlampe zum Funktionieren die winzige Quecksilbermenge benötigt, kann bei funktionierenden Lampen keinerlei Quecksilber in den Raum gelangen. Aber auch wenn eine Energiesparlampe zu Bruch geht, besteht keinerlei Gefahr durch Quecksilber, weil die Menge einfach zu gering ist. Alleine durch das übliche Lüften im Haushalt liegt die Konzentration von Quecksilber in der Raumluft immer deutlich unter dem Wert, der lebenslang erträglich ist – sogar, wenn man jedes Jahr mehrere Energiesparlampen zerbrechen und nicht wegräumen würde [Anmerkung der Redaktion: Tipps zur Entsorgung].

Energiesparlampen wird nachgesagt gesundheitsschädlich zu sein, für jede Menge Elektrosmog zu sorgen und giftige sowie krebserregende Stoffe abzugeben. Zu welchen Ergebnissen sind Sie bei Ihren Tests gekommen?

Peter Schick: Mit dem Begriff „Elektrosmog” sind Befürchtungen und Ängste verbunden. Das ist bei kleinen elektrischen Haushaltsgeräten wie Lampen nicht angebracht. Um objektive Angaben machen zu können, messen wir dennoch bei jedem Test exemplarisch immer an einigen Lampen die elektromagnetischen Wechselfelder in dreißig Zentimetern Abstand. Die Referenzwerte der internationalen Strahlenschutzkommission werden oft nicht einmal zu fünf Prozent erreicht.

Im Rahmen unserer umfangreichen Umweltprüfungen ermitteln wir im Chemielabor auch die von eingeschalteten Lampen an die Raumluft abgegebenen Stoffe, VOC oder flüchtige organische Verbindungen sowie den Geruch. Zwar können wir regelmäßig dank der enormen Empfindlichkeit der eingesetzten Messmethoden eine ganze Reihe von Stoffen nachweisen, jedoch sind die Mengen so winzig, dass keine gesundheitlichen Gefahren vorhanden sind.

Energiesparlampen sind nicht gesundheitsschädlich

Unabhängig davon ist auch unsere Nase ein höchst empfindliches Organ und gelegentlich stellen wir unangenehme Gerüche fest. Diese können schon von geringsten Spuren noch unterhalb der Bestimmungsgrenze eines Stoffes bewirkt werden. Deshalb bewerten wir den Geruch unabhängig und zusätzlich zu den VOC-Messungen. Die anhand dieser Untersuchungsergebnisse bewertete Raumluftbelastung ist in den allermeisten Fällen unkritisch.

Glühlampe und Energiesparlampe(c) iStock/viafilms

Pluspunkt für LED-Lampen: Lichtstrom sinkt bei Glühlampen noch stärker als bei Energiesparlampen

Auch in Sachen Qualität haben Energiesparlampen bei den Verbrauchern meist keinen guten Ruf. Viele beschweren sich über stark abnehmende Helligkeit und eine zu geringe Lebensdauer der Lampen. Versprechen die Hersteller auf den Verpackungen zu viel?

Peter Schick:
Unsere Messungen zeigen, dass bei allen Lampen – egal ob Halogenglühlampen, Kompaktleuchtstoff- oder LED-Lampen – mit der Zeit der Lichtstrom abnimmt. Besonders stark ist dieser Effekt bei Glühlampen, wird jedoch wegen deren recht kurzer Lebensdauer selten bemängelt. Den kleinsten Helligkeitsverlust verzeichnen wir derzeit bei den LED-Lampen, sie haben oft auch nach unserem 6.000 Stunden-Dauertest noch mehr als 90 Prozent des Anfangslichtstroms. Die Kompaktleuchtstofflampen liegen dazwischen. Sie halten zwar oft länger als 6.000 Stunden, haben nach dieser Zeit aber oft schon etwas weniger als 80 Prozent der Anfangshelligkeit. Dies ist unser Grenzwert für die sogenannte Nutzlebensdauer. Im Test beobachten wir deshalb häufig, dass die Nutzlebensdauer nur zwischen 4.000 und 6.000 Stunden liegt, obwohl die Lampen auch nach 6.000 Stunden noch brennen.

Energiesparlampen haben eine Lebensdauer von oft mehr als 6.000 Stunden

Das eigentliche Dilemma ist die Kennzeichnung der Lebensdauer. Die Hersteller müssen nur die Zeit angeben, nach der die Hälfte von 20 Testlampen völlig ausgefallen ist. Das ist für Verbraucher völlig unzureichend, weil einerseits die abnehmende Helligkeit nicht beachtet wird, andererseits ist es somit völlig legitim, dass nur die Hälfte der gekauften Lampen die deklarierte Lebensdauer erreicht! Abhilfe würde eine einfache Regel schaffen: Als Lebensdauer ist die Zeit anzugeben, bis 5 Prozent der Lampen ausgefallen sind oder der mittlere Lichtstrom kleiner ist als 80 Prozent des Anfangslichtstroms.

LEDs sind deutlich teurer, sollen dafür aber auch viel länger halten als Energiesparlampen. Geht diese Rechnung für den Verbraucher auf?

Peter Schick: Die Kaufkosten für LED-Lampen sind tatsächlich noch erschreckend hoch. Wir raten deshalb dazu, diese Lampen zu Hause gezielt an einzelnen Stellen auszuprobieren. Vorzugsweise dort, wo man häufig lange Licht braucht, zum Beispiel rund ums Haus, weil sie auch bei Kälte besonders effizient sind. Vergleichsrechnungen, die wir für den Lampentest im September-Heft test 9/2012 angestellt haben, zeigen: Berücksichtigt man Kaufpreis, Stromkosten und auch die unterschiedlich lange Haltbarkeit, muss man für Licht aus Glüh- und Halogenglühlampen etwa zweieinhalb Mal soviel Geld ausgeben wie für Licht aus Kompaktleuchtstofflampen. Bei LED-Lampen kommt es stark auf die wirkliche Haltbarkeit an. Geht man von 12.000 Stunden aus, sind sie vergleichbar günstig wie Kompaktleuchtstofflampen. Unsere Tests zeigen aber auch, dass viele LED-Lampen noch Kinderkrankheiten haben. Deshalb raten wir hier dazu, bevorzugt die guten oder sehr guten aus unseren Tests einzusetzen.

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