Klimawandel: Die Folgen für Deutschland

Deutschland ist vielfältig. Kein Wunder, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels höchst unterschiedlich sein werden. Niederschlagsmengen und Temperaturen werden unberechenbarer. Während manche Regionen unter zuviel Wasser leiden werden, trocknen andere Gebiete weiter aus. Landwirtschaft, Küsten- wie Umweltschutz, Energieversorger und Stadtplaner stehen vor großen Herausforderungen.

Dürre auf einem Acker: Die deutschen Sommer werden heißer und trockener(c) Sasha Radosavljevich, iStock

Auswirkung des Klimawandels: Deutschlands Sommer werden heißer und trockener, Dürren werden wahrscheinlicher.

Dank immer genauerer Klimamodelle und immer schnellerer Computer können Wissenschaftler inzwischen relativ verlässliche Aussagen über die Folgen des Klimawandels für Deutschland machen. Das wichtigste Ergebnis: Extreme Wetterereignisse nehmen zu, und generell wird es hierzulande trockener und wärmer werden. Besonders die Sommer werden sicherlich erheblich heißer – mit schlimmen Folgen für Menschen: Der ungewöhnlich heiße Sommer 2003 forderte nach Angaben der Organisation Germanwatch europaweit 30.000 Hitzetote.

 

 

Heißer Sommer: Blaualgen im Badesee(c) iStock

Baden verboten: Blaualgen vermehren sich bei andauernder Sommerhitze.

Trockener Osten

Besonders in Ostdeutschland, genauer im Nordosten, werden die durchschnittlichen Temperaturen zu- und die Niederschläge abnehmen – die Landwirtschaft wird sich schon bald darauf einstellen müssen. Direkt an den Küsten wird die Erhitzung durch Nord- und Ostsee etwas gedämpft, doch die Prognosen etwa des Umweltbundesamtes erwarten auch dort bis Ende dieses Jahrhunderts eine Halbierung der Frost- und eine Verdoppelung der Sommertage. Doch die Tourismusbranche an der deutschen Küste sollte sich nicht vorschnell über den Klimawandel freuen: Für die künftig sicherlich zahlreicheren Gäste dürfte das Wasser knapp werden, und steigende Temperaturen machen auch den Tieren und Pflanzen in Nord- und Ostsee zu schaffen – die Badequalität könnte dadurch deutlich sinken.

Sturmflut an der Nordsee(c) iStock

Wissenschaftler prognostizieren: Wir müssen uns auf häufigere Überschwemmungen als Auswirkung des Klimawandels einstellen.

Auswirkungen des Klimawandels an der Nordseeküste

Für die Küstenstädte ist die Erderwärmung sowieso ein Problem: Schmelzende Gletscher und eine wärmebedingte Ausdehnung der Wassermassen in den Ozeanen lassen die Meeresspiegel steigen, Überflutungen werden häufiger. Durch heftigere Winde werden Sturmfluten an der Nordsee künftig stärker ausfallen; zusammen mit dem Meeresspiegel-Anstieg von 20 bis 80 Zentimeter, der im letzten Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC von 2007 genannt wird, könnten Sturmfluten in der Deutschen Bucht bis Ende dieses Jahrhunderts um 30 bis 110 Zentimeter höher auflaufen. Holländische Forscher kamen in einem worst-case-Szenario sogar auf einen Anstieg um 130 Zentimeter. Schon ab 2030, so das Norddeutsche Klimabüro, werden deshalb zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig.

Tote Fische im Wasser: Eine Folge des Klimawandels(c) iStock

Erschwerte Bedingungen für Fische als Auswirkung des Klimawandels: Das Wasser erwärmt sich, der Sauerstoffgehalt sinkt.

Hochwasser und Fischsterben in Flüssen als Folge des Klimawandels

Aber auch im Binnenland sind häufigere und schwere Überschwemmungen zu erwarten. Einen Vorgeschmack boten die Oderflut 1997, das Elbehochwasser von 2002 und die Überschwemmungen im Juni 2013, die Ost- und Süddeutschland große Schäden anrichteten. Ursache für die heftigen Regenfälle waren sogenannte Fünf-B-Wetterlagen, die feuchte Mittelmeerluft nach Norden brachten – und die nach Ansicht von Experten durch den Klimawandel vermehrt auftreten werden.

Abgesehen von solchen Extremen wird das Wasser in vielen deutschen Flüssen im Sommer künftig weniger und dazu wärmer sein. Weil bei höheren Temperaturen der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt, könnten Fische massenhaft sterben, wie etwa im heißen Sommer 2003. Der Rhein beispielsweise war Anfang Juli 2010 25 Grad warm – drei Grad mehr als vor 50 Jahren. Laut einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist ein Drittel der Zunahme bereits auf den Klimawandel zurückzuführen. Doch nicht nur für die Natur ist das ein Problem, sondern auch für die Industrie. Kraftwerke und Fabriken, die das Flusswasser zur Kühlung einsetzen, müssen gedrosselt oder ganz abgeschaltet werden.

Schneekanonen sorgen bei Schneemangel in Skigebieten für den nötigen Untergrund(c) iStock

Immer weniger Schnee: Schneekanonen müssen in Skigebieten für den nötigen Untergrund sorgen - um die Auswirkungen des Klimawandels auszugleichen.

Hier mehr – dort weniger Regen

Im Harz und Harzvorland wird es im Sommer weniger regnen, während es in Nordhessen sogar mehr regnen kann. Im Winter nehmen auch hier die Niederschläge zu. In den Alpen steigen die Temperaturen voraussichtlich etwas weniger stark als im Rest Deutschlands – Frost und Schnee aber werden auch dort deutlich seltener. In Südwestdeutschland wird der Klimawandel zu einer deutlichen Temperaturzunahme führen. Im sogenannten „Sahara-Sommer“ von 2003 wurden etwa in Freiburg 54 Tage mit mehr als 30 Grad Celsius gemessen, das waren wärmere Zustände als im nord-afrikanischen Tunis. Insbesondere die Nächte werden heißer – und sogenannte tropische Nächte häufiger, in denen das Thermometer nicht mehr unter 20 Grad Celsius sinkt. Dadurch und durch öfter auftretende und länger anhaltende Hitzewellen erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Mehr über die Folgen des Klimawandels – auch außerhalb Deutschlands – finden Sie im Dossier „Klimawandel kompakt“ der Kampagne „Klima sucht Schutz“.

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