Stadtklima im Sommer: Herausforderung für den Städtebau

Weltweit leben etwa 50 Prozent der Menschen in Städten, in Deutschland sind es mehr als 80 Prozent. Sie sind vom Klimawandel besonders betroffen. Denn in dicht bebauten Gebieten verstärken sich viele Effekte der Erderwärmung – es entsteht ein ganz eigenes Stadtklima mit Wärmeinseln und Kaltluftschneisen.

Einkaufsstraße im Sommer(c) iStock

Die dichte Bebauung und die flächendeckende Versiegelung des Bodens macht Städte zu so genannten Wärmeinseln.

Schon seit langem ist das Phänomen der „städtischen Wärmeinseln“ (engl.: „Urban Heat Islands“) bekannt. Experten bezeichnen damit einen Effekt des besonderen Stadtklimas: Städte sind meist wärmer sind als das dünner besiedelte Umland – Fassaden und Dächer, aber auch alle versiegelten Flächen (beispielsweise Straßen, Gehwege oder Parkplätze) heizen sich durch die Sonnenstrahlung stärker auf und speichern die Wärme auch länger als etwa Grünflächen. Zudem bremsen oft Häuserfronten den Luftaustausch. Die Sommer sind deshalb in Städten meist besonders heiß und stickig, und selbst nachts kühlen sie kaum ab. Innerstädtische Temperaturen können durchaus zehn Grad Celsius höher liegen als im Umland – und sind damit Wärmeinseln in ihrer kühleren Umgebung.

Wissenschaftler prognostizieren, dass in Deutschland generell die Zahl der heißen Tage zunimmt. In Städten mit ihrem eigenen Stadtklima macht sich das besonders bemerkbar, für Karlsruhe etwa werden statt etwa 15 bald mehr als 30 pro Jahr erwartet.

Ein schattiges Plätzchen im Stadtpark(c) iStock

Grünflächen sind in Zeiten steigender Temperaturen wichtiger denn je – sie sorgen für frische Luft in städtischen Wärmeinseln.

Prima Stadtklima durch Kaltluftschneisen & Co.

Durch die Erwärmung des Stadtklimas wird für die kommenden Jahrzehnte mit einem sprunghaften Anstieg des Energieverbrauches für die Gebäudekühlung gerechnet. Durch kluge Stadtplanung, aber auch mit Maßnahmen an bestehenden Häusern kann dies – zumindest teilweise – verhindert werden. Was technisch möglich ist, zeigt die ökologische Musterstadt Masdar City, die derzeit im Emirat Abu Dhabi gebaut wird. Trotz Wüstentemperaturen soll sie mittels geschickter Begrünung, Belüftung und Verschattung weitgehend ohne elektrische Kühlung auskommen. In speziellen Windkanälen testen Stadtplaner und Architekten mittlerweile, wie sich verschiedene Baustrukturen auf das Stadtklima auswirken. Künstliche Kaltluftschneisen helfen dabei: Die Orientierung von Straßenschluchten nach den Hauptwindrichtungen beispielsweise hilft bei der Be- und Entlüftung der Stadtzentren – Wärmeinseln werden vermieden.

Schattenspender für Wärmeinseln

Mit relativ einfachen Maßnahmen können auch bestehende Städte im Sommer angenehmer werden für die Menschen. Bäume spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie werfen jedoch nicht nur Schatten: „Straßenbäume sorgen durch ihre Verdunstung für Abkühlung“, erklärt Jan Carmeliet vom Institut für Bautechnologie an der ETH Zürich. „Stehen sie falsch, können sie aber auch Windströme in den Straßen und Kaltluftschneisen blockieren.“

Neben begrünten Straßenzügen sind vor allem Grünflächen für ein angenehmes Stadtklima wichtiger denn je. Behörden sollten deshalb unbedingt darauf achten, Parks zu erhalten oder beispielsweise auf stillgelegten Bahnstrecken neue anzulegen – diese wirken dann wie Kaltluftschneisen, die frische Luft aus dem Umland ins Stadtzentrum führen. In New York läuft deshalb das Programm „MillionTreesNYC“ zur Pflanzung einer Million weiterer Bäume, mit der das Stadtklima der Metropole verbessert werden soll.

Nicht nur ganze Städte, auch einzelne Häuser oder Wohnunen können fit für steigende Sommertemperaturen gemacht werden. Mit kurzfristigen Lösungen für heiße Tage versorgt Sie der interaktive WärmeCheck. Langfristig bleibt die Sommerhitze vor allem bei einer guten Dämmung außen vor. Der interaktive ModernisierungsCheck berät Sie bei der Planung.