

Fachwissen
Dämmung der obersten Geschossdecke: Eine Milliarde Euro Einsparpotenzial
Bis Ende 2011 müssen alle Hausbesitzer ihr Dach oder die oberste Geschossdecke dämmen. So schreibt es die Energieeinsparverordnung (EnEV) mit wenigen Ausnahmen vor. Davon profitieren nicht nur Wohnkomfort und Klima, sondern auch das Bankkonto: Durch eine nachträgliche Dämmung können die Deutschen pro Jahr rund eine Milliarde Euro an Heizkosten sparen.
Ob Kindersachen, alte Möbel oder Großmutters Tafelsilber – der Dachboden ist ein beliebter Stauraum für alles, was man nur selten braucht. Ist das Dach jedoch nicht gedämmt, dann kann es schnell zum energetischen Schwachpunkt werden. Denn Wärme steigt bekanntlich nach oben. Über die große Fläche eines ungedämmten Dachs geht kontinuierlich eine große Menge an Heizenergie verloren – und zwar ungenutzt. Das schlägt sich unweigerlich auf die Heizkosten der Hausbewohner nieder.
Oberste Geschossdecke gedämmt – 10 kWh/m2 jährlich gespart
Diese Lücke kann man allerdings kostengünstig schließen, indem man die oberste Geschossdecke dämmt. Eine fachgerechte Dämmung hält die Wärme im Haus und senkt damit die Heizkosten. Berechnungen der gemeinnützigen co2online GmbH (Träger der Klimaschutzkampagne) zeigen, dass die Dämmung der obersten Geschossdecke durchschnittlich 10 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr spart.
Bislang ist erst rund ein Drittel der insgesamt 3,5 Milliarden Quadratmeter Geschossdecken oder Dachfläche in Deutschland gedämmt. Schöpft man das restliche Potenzial aus, spart das 10 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. „Durch eine nachträgliche Dach- oder Dachbodendämmung können die Deutschen jährlich rund eine Milliarde Euro an Heizkosten einsparen und den Treibhausgasausstoß um 2,8 Millionen Tonnen CO2 reduzieren.”, schätzt Dr. Johannes Hengstenberg, Geschäftsführer von co2online. „Besonders die Mieter der obersten Etage werden geschädigt, wenn der Vermieter diese Maßnahme unterlässt.“
Beispiel Einfamilienhaus – unterm Strich 3.630 Euro weniger Kosten
Ein erdgasbeheiztes Einfamilienhaus mit 150 m2 Wohnfläche spart bei einer einmaligen Investition von 3.000 Euro für die Dämmung der obersten Geschossdecke (entspricht 75 m2) in 20 Jahren 6.630 Euro Heizkosten:
| Nach 1 Jahr | Nach 20 Jahren |
|---|---|---|
Energieersparnis | 2.000 kWh | 40.000 kWh |
CO2-Vermeidung | 480 kg | 9.600 kg |
Heizkostenersparnis | 180 Euro | 6.630 Euro |
(Angaben gerundet. Aktueller Wärmepreis: 0,09 Euro/kWh; durchschnittlicher Wärmepreis in den kommenden 20 Jahren: 0,17 Euro/kWh bei angenommener Preissteigerung; Emissionsfaktor Erdgas 0,244 kg CO2/kWh; Dämmkosten 40 Euro pro m2.)
EnEV – Nachrüstpflicht bis Ende 2011
Da die Dämmung der obersten Geschossdecke äußerst wirtschaftlich ist, verpflichtet der Gesetzgeber Hausbesitzer und Bauherren dazu. Die EnEV verlangt: Bis zum 31. Dezember 2011 müssen alle begehbaren obersten Geschossdecken gedämmt sein. Für nicht begehbare, oberste Geschossdecken gilt diese Pflicht bereits.
Es gibt jedoch Ausnahmen: Wenn zum Beispiel das Dach bereits gedämmt ist, muss nicht nachgerüstet werden. Auch Ein- und Zweifamilienhäuser sind ausgenommen, wenn der Eigentümer schon vor dem 1. Februar 2002 selbst darin gewohnt hat. Dann gilt die Pflicht erst, sobald das Haus verkauft wird. Die neuen Besitzer haben dann zwei Jahre Zeit, die Vorgaben zu erfüllen. Ein Verstoß gegen die EnEV ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld bestraft werden kann.
Dämmen lohnt – am besten jetzt!
Doch eine Dämmung der obersten Geschossdecke lohnt sich auch für Hausbesitzer, die laut EnEV nicht dazu verpflichtet sind. Die Investition macht sich schnell bezahlt, außerdem gibt es auch Fördermittel für eine energetische Sanierung. Bei der Suche nach dem passenden Förderprogramm hilft Ihnen der Förderratgeber.
Neben Klimaschutz und Kostenersparnis hat eine Dämmung der obersten Geschossdecke noch weitere Vorteile: Das Wohngefühl und der Wert des Gebäudes steigen, das Bauwerk bleibt erhalten und die Wohnräume sind - bei Mineralwolle als Dämmmaterial - auch besser vor Brand und Lärm geschützt.
Von einer energieeffizienten Dach- oder Dachbodendämmung profitieren alle Beteiligten: Mieter und Hausbesitzer, Handwerk und Industrie sowie nicht zuletzt Umwelt und Volkswirtschaft. Hengstenberg empfiehlt diese Modernisierungsmaßnahme daher besonders: „Immobilienbesitzer sollten noch vor Beginn der Heizperiode eine Dämmung der obersten Geschossdecke in Angriff nehmen.”
Hinweis der Redaktion:
Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) erklärte die Aufhebung der Dämmpflicht der obersten Geschossdecken in Mehrfamilienhäusern mit Holzbalkendecken. Die Redaktion prüft diese Auslegung und informiert Sie an dieser Stelle über aktuelle Entwicklungen.








