
Klimawandel verändert Mittelmeerraum
Klimawandel und Wasserknappheit sind im Mittelmeerraum schon deutlich spürbar: Die betroffenen Länder leiden immer mehr unter steigenden Temperaturen, häufigeren Starkregenereignissen, Grundwasserversalzung und dem zunehmenden Verlust von Ackerland. Das zeigen Untersuchungen des internationalen Forschungs-Clusters CLIWASEC (Climate Change Impacts on Water and Security). Am Beispiel des westlichen Nil-Deltas verdeutlicht das unabhängige und EU-geförderte Netzwerk, welche Konflikte der Klimawandel hervorrufen kann:
Kettenreaktion am Nil-Delta
Seit dem Bau des Assuan-Staudamms schwemmt der Nil deutlich weniger Sediment in das Delta. Dadurch fehlen wichtige Nährstoffe für die Landwirtschaft und die Küste wird immer erosionsanfälliger. Da Erdgas gefördert und riesige Mengen an Grundwasser zum Trinken und für die Landwirtschaft entnommen werden, senkt sich auch der Boden deutlich – doch gleichzeitig steigt der Meeresspiegel. So versalzt das Grundwasser im Nil-Delta zunehmend, wodurch wertvolle Wasserreserven und Ackerland immer schneller verloren gehen.
Kompensieren will man das durch Neuanpflanzungen in nahegelegenen Wüstenregionen. Dazu sind jedoch große Mengen an Wasser nötig. In Alexandria haben die Wasserentnahmen und das eindringende Salzwasser bereits den Untergrund destabilisiert und die Infrastruktur geschädigt – teure Sanierungen und Umsiedlungen der Bevölkerung sind die Folgen.
Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts erwartet man für das Nil-Delta einen Temperaturanstieg auf 1,9 bis 2,8 Grad Celsius. Austrocknende Anbauflächen müssen so verstärkt bewässert werden, sodass Wasser immer knapper wird. Die Bewohner der Region müssen nun neue Bewässerungsstrategien entwickeln und die Landwirtschaft anpassen. Anstatt dem wasserintensiven Reisanbau will man zukünftig z. B. Gerste anbauen, da diese Getreideart weniger Wasser benötigt.
Auswirkungen auch hierzulande
Viele Länder liegen zwar weiter entfernt, sind aber ökonomisch und politisch mit den Mittelmeerstaaten verbunden. Deshalb werden auch sie die Auswirkungen dieser Entwicklung zu spüren bekommen. Häufige Ernteausfälle können Lieferengpässe von Nahrungsmitteln zur Folge haben, worauf sich die Landwirtschaft hierzulande ebenfalls einstellen muss.
CLIWASEC sieht auch Chancen für die deutsche Wirtschaft. Insbesondere Know-how im Bereich der erneuerbaren Energien könnte zum Ressourcenschutz in der Region beitragen. Vor allem die Solarenergie könnte die Abhängigkeit der Mittelmeerländer vom Erdgas reduzieren und dadurch Wasser und Böden schützen.
Weitere Infos zur Untersuchung gibt es auf der Website der Bayerischen Forschungsallianz.






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