COP16: Ein kleiner Zwischenerfolg

Es war ein hartes Ringen mit Bolivien. Doch am Ende der Weltklimakonferenz von Cancún gab der Verhandlungsleiter der bolivianischen Delegation nach. Kein anderer Staat hatte Boliviens Einspruch unterstützt. Patricia Espinosa, Konferenzpräsidentin und mexikanische Außenministerin hatte geschafft, was ihrer Vorgängerin bei COP15 noch gründlich misslang: mit einer klugen und souveränen Verhandlungsführung ein verbindliches Ergebnis zu erreichen. Verabschiedet wurden zwei wichtige Texte: einer unter der Klimarahmenkonvention, einer unter dem Kyoto-Protokoll. In den Verhandlungen unter der Klimarahmenkonvention verpflichtet sich die Staatengemeinschaft erstmals, die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad zu beschränken. Bis 2015 muss überprüft werden, ob dieses Maximalziel aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse um ein halbes Grad gesenkt werden muss. Die Emissionsreduktionszusagen des vergangenen Jahres werden in dem Text zur Kenntnis genommen. Diese werden nach Berechnungen von Experten jedoch nicht ausreichen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.

Bundesumweltminister Röttgen sieht Zwischenerfolg

Bundesumweltminister Norbert Röttgen bei COP16 in Cancun

Unmittelbar nach der Entscheidung trat Bundesumweltminister Norbert Röttgen vor die Presse und forderte von der Europäischen Union, ihr Klimaziel zu erhöhen. "Europa wird seine Führungsrolle nur behalten, wenn wir entschlossen voranschreiten und unsere Emissionen bis 2020 um 30 Prozent gegenüber 1990 reduzieren", erklärte Röttgen. Das Ergebnis sei ein Zwischenerfolg, den es bis zur nächsten Klimakonferenz im südafrikanischen Durban weiter zu entwickeln gilt. Auch EU-Klimakommissarin Conni Hedegaard strahlte vor Begeisterung. "Wir wussten, dass ein Risiko bestand. Aber wir haben eine gute Grundlage gefunden", so Hedegaard. Allerdings bremste auch die Klimakommissarin: "Wir sind die ersten Schritte gegangen, aber es ist noch ein weiter Weg."

Sogar die Klimaschützer jubelten. Vor dem Konferenzzentrum hielten sie eine spontane Party ab. Ihr Urteil war positiv: Martin Kaiser von Greenpeace hält die Beschlüsse für “das Maximum, was man aus dieser Staatengemeinschaft herausholen konnte“. Die EU hätte sich wenig ambitioniert verhalten; auch USA, Russland und Japan hätten blockiert. Zu verdanken sei der Erfolg “allein der mexikanischen Präsidentschaft sowie den am meisten von den Folgen des Klimawandels betroffenen Ländern“, so Kaiser. Es liege jetzt an den Staaten, aus dem Hoffnungsschimmer von Cancún auf der Klimakonferenz im südafrikanischen Durban im Dezember 2011 ein wirkungsvolles Klimaschutzabkommen zu formen.

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