Wer übt welchen Einfluss aus?

Gibt es ein demokratischeres Verfahren auf der Welt als die Klimakonferenzen? Jeder darf dort mitreden, selbst so seltsame Gestalten wie Bingos, Ringos und Tungos.

Um die Verhandlungen so breit und demokratisch wie möglich zu gestalten, dürfen bei den Klimakonferenzen nach UN-Regularien nicht nur Regierungsvertreter am Tisch sitzen. Zusätzlich erhalten „Nichtregierungsorganisationen“ aller Art (im Englischen „Non-Governmental Organisations“, kurz: NGO) einen Beobachterstatus eingeräumt. Diesen kann im Prinzip jeder bekommen - er braucht nur nachzuweisen, dass er ein „Träger Öffentlichen Interesses“ ist. Würde beispielsweise der deutsche Bundesverband Windenergie beim UN-Klimasekretariat in Bonn beantragen, zur nächsten Klimakonferenz als Beobachter zugelassen zu werden, dann würden die Beamten dem Antragsteller zunächst empfehlen, sich doch bitte einem der ohnehin schon vertretenen Lobbyverbände für Regenerativen Energien anzuschließen. Doch wenn der deutsche Verband auf einem eigenen Beobachter-Stuhl beharrt, dann würde ihm dieser sicherlich gewährt.

Vom jamaikanischen Tourismusverband über die chinesische Handelskammer bis zum "Climate Action Network" - von Jahr zu Jahr werden deshalb die UN-Konferenzen größer und größer. 2005 waren noch knapp 10.000 Teilnehmer zur elften Weltklimatagung nach Montreal gereist. Zwei Jahre später auf Bali kamen schon 12.000, 2008 nach Posen annähernd 15.000. In Kopenhagen versammelten sich sogar 27.000 Menschen.

Mittendrin statt nur dabei

Um zumindest ein Minimum an Übersichtlichkeit zu wahren, haben sich die verschiedenen NGOs eigene Organisationszentren gegeben. So gibt es inzwischen auf jeder Klimakonferenz Extra-Räume für die BINGOs („Business and Industry Non-Governmental Organizations“). Das sind die Wirtschaftslobbyisten. Die Internationale Handelskammer ICC etwa schickt mehr Vertreter zum Gipfel (unter anderem von Exxon und Shell) als beispielsweise die argentinische Regierung.

Die Abgesandten von Gewerkschaften nennen sich TUNGOs („Trade Union Non-Governmental Organizations“). Wissenschaftliche Organisationen heißen im Konferenzjargon RINGOs („Research and Independent Organisations“). Und dann sind da natürlich auch die ENGOs („Environmental Non-Governmental Organizations“), also Umweltschutzorganisationen. Auf einem typischen Gipfel füllt das Teilnehmerverzeichnis knapp hundert eng bedruckte Seiten aus Deutschland kommen dann neben einer 32-köpfigen Regierungsdelegation zum Beispiel Vertreter der Landwirtschaftskammern, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, vom Hilfswerk „Brot für die Welt“ und natürlich von Greenpeace und WWF.

Zuletzt gipfelte diese Entwicklung in den YOUNGOs: Die Jugendbewegungen haben sich hier zusammengeschlossen. Ihr schlüssiges Argument für das Beantragen von Status, Zugang und Mitteln aus dem Klimasekretariat: Ihr verhandelt über unsere Zukunft!

Alle diese Gruppen und Grüppchen versuchen, mit unzähligen Nebenveranstaltungen Aufmerksamkeit zu erregen und dadurch auch den Fortgang der Konferenz zu beeinflussen. Auf sogenannten „side events“, also „Nebenereignissen“, werden dann die vermeintlich oder tatsächlich letzten Erkenntnisse zu Themen wie Elektromobilität, Gebäudedämmung oder Kohlekraftwerken vorgestellt. Je nach Finanzkraft der Veranstalter sind das nüchterne Pressekonferenzen oder auch opulente Cocktail-Abende.


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  • Die energieintensiven Unternehmen sollten finanziell stärker in die Pflicht genommen werden.
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