

Elmar Große Ruse: "Gern noch viel mehr"
Elmar Große Ruse hat in Bonn, Edinburgh und Bochum Psychologie mit Schwerpunkt Umweltpsychologie, sowie im Nebenfach Politik und Umweltökonomie studiert. Danach hat er bei der Naturfreundejugend Deutschlands sowie im Deutschen Bundestag gearbeitet. Seit 2008 ist er als Referent für Energiepolitik und Klimaschutz beim NABU tätig. Er begleitet für den NABU die UN-Klimaverhandlungen im südafrikanischen Durban.
Was ist Ihre realistische Prognose für ein Ergebnis von COP17?
Für die Fortführung des Kyoto-Protokolls wird es womöglich nur einen Beschluss zur weiteren Anwendung des bestehenden Regelwerks geben. Im Gegenzug würden die Entwicklungs- und Schwellenländer nur einem wenig „robusten“ Mandat zur Verhandlung eines umfassenden Klimaabkommens zustimmen.
Die große Lücke zwischen Klimaschutzzusagen und Klimaschutznotwendigkeit („the gigatonne gap“) wird vielleicht nicht offiziell anerkannt, sondern nur in einer Fußnote o.ä. erwähnt.
Der Green Climate Fund wird voraussichtlich arbeitsfähig, nachdem die Beschlussvorlage des Gründungsausschusses mit leichten Änderungen letztlich von der Konferenz angenommen wird. Auch in den Bereichen Anpassung, Waldschutz sowie Messung, Bericht und Prüfung von Zusagen bei Klimaschutz- und Finanzierungsmaßnahmen ist mit Fortschritten zu rechnen.
Was würden Sie sich für COP17 wünschen?
Eine zweite Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll (inklusive der Schließung der Schlupflöcher im bestehenden Vertragswerk) und ein Verhandlungsmandat für ein umfassendes Klimaschutzabkommen, das spätestens 2015 beschlossen werden soll.
Die unzweideutige Anerkennung der riesigen Lücke zwischen den bisherigen Klimaschutzzusagen und dem Zwei-Grad-Ziel und die Verständigung auf einen Fahrplan für die Überarbeitung der Klimaschutzzusagen und deren Umsetzung.
Die notwendigen Beschlüsse, die den Green Climate Fund arbeitsfähig machen, einen Fahrplan zur Aufstockung der Klimafinanzierung bis 2020 und ein klarer Auftrag an die UN-Seeschifffahrtsorganisation für eine CO2-Abgabe für den internationalen Schiffsverkehr.
Klare Ziele und Vorgaben zur Erfassung, Überprüfung und Finanzierung von Waldschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern.
Und gern noch viel mehr…
Was muss passieren, wenn COP17 „scheitert“?
„Scheitern“ ist relativ. Selbst bei bescheidenen Ergebnissen der Klimakonferenz ist derzeit keine grundsätzliche Alternative zum UN-Verhandlungsprozess in Sicht. Denn dann geht es im internationalen Klimaschutz nur noch um unverbindliche Zusagen, die – nach völlig uneinheitlichen Kriterien – vage überprüft werden.
Jedes Jahr, das die Staatengemeinschaft verliert, erhöht die Auswirkungen des längst stattfindenden Klimawandels und die Kosten der notwendigen Wende. Scheitert COP17 müssen die folgenden Konferenzen noch deutlich drastischere Beschlüsse fassen, als dies ohnehin schon absehbar ist.


