
Das 2-Grad-Ziel
Auf der ganzen Welt und während einer Klimakonferenz nach der anderen ist vom „2-Grad-Ziel“ die Rede. Was hat es damit auf sich? Eine Erderwärmung um 2 Grad Celsius ist nach Ansicht zahlreicher Wissenschaftler eine kritische Marke: Steigt die Erdmitteltemperatur um mehr als diese 2 Grad, dann dürften die Folgen des Klimawandels für Mensch und Umwelt wirklich unbeherrschbar werden.
Als Vergleichspunkt gilt dabei das „natürliche“ Klima, also die Welt vor Beginn der Industriellen Revolution. Von Mitte des 18. Jahrhunderts bis heute wurde allerdings bereits ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um rund 0,7 Grad registriert – es blieben also nur noch etwa 1,3 Grad „übrig“. Außerdem ist das Klimasystem der Erde sehr träge; ehe aktuelle Treibhausgas-Emissionen sich vollständig auswirken, vergehen oft viele Jahre.
Ganz genau weiß natürlich niemand, bei welcher Menge Treibhausgase diese 2 Grad erreicht werden. Die Wissenschaft kann allenfalls Wahrscheinlichkeiten angeben, bei welcher Konzentration von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre welche Aufheizung zu erwarten ist. Bei einem Schwellenwert von 450 ppm (parts per million), heißt es, steige die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung der 2 Grad auf mehr als 50 Prozent. Wer also sicher gehen will, dass die Folgen des Klimawandels einigermaßen beherrschbar bleiben, sollte deutlich niedrigere Werte anpeilen. Doch schon zum Erreichen der 450 ppm müsste der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 wohl um 50 Prozent (gegenüber dem Niveau von 1990) gesenkt werden. Und selbst dieses Ziel ist weltweit nicht konsensfähig.
Ein Budget von 750 Milliarden Tonnen
Laut Wissenschaftlichem Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen dürfen weltweit zwischen 2010 und 2050 insgesamt nur noch 750 Milliarden Tonnen CO2 emittiert werden, um das 2-Grad-Ziel einzuhalten. Wenn die Emissionen – gerade in den Industriestaaten – nicht schnell sinken, wird dieses „Budget“ aber schon in 25 Jahren ausgeschöpft sein. Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) gehen davon aus, dass die Trendwende bei den Treibhausgasen innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre erfolgen muss. Es reicht dabei nicht, den laufenden Anstieg der Emissionen zu bremsen, es muss zu wirklichen Minderungen kommen. Um eine weltweite Halbierung des Ausstoßes zu erreichen, müssten die wohlhabenden Länder ihre Emissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent reduzieren.
Schaut man sich demgegenüber an, wozu die Welt derzeit bereit ist, dann stellt sich Ernüchterung ein: Alle bisherigen Klimazusagen von Industrie- und Schwellenstaaten reichen nach einer Analyse des PIK und der Wirtschaftsberatung Ecofys allenfalls aus, die Erderwärmung auf 3,5 Grad Celsius zu begrenzen. Das ist immerhin weniger als jene bis zu 7 Grad Celsius, die Klimaforscher bis zum Ende des Jahrhunderts erwarten, wenn die Welt wie bisher ohne ernsthaften Klimaschutz weitermachen würde. Aber eben auch deutlich mehr als die berühmten 2 Grad.






