„Climategate“ und Fehler des IPCC

In Diskussionen über den Klimawandel begegnet man zurzeit verstärkt Argumenten sogenannter Klimaskeptiker. Der Klimawandel finde entweder gar nicht statt, behaupten sie gern. Und wenn, dann könne zumindest der Mensch nichts dafür. Die Berichte der UN-Klimaforscher seien voller Fehler, alles Gerede vom Klimawandel nur „Hysterie“.

„Climategate“

(c) iStock.com/AndrzejStajer

Auftrieb erhielten die Klimaskeptiker, als im November 2009 eine Auswahl interner E-Mails der britischen „Climate Research Unit“ im Internet auftauchten. Viele Skeptiker sahen darin Belege für einen groß angelegten Betrug. Der Wissenschaftler Phil Jones hatte an einer Stelle von einem „Trick“ gesprochen, um Temperaturkurven zu erstellen. Mehrere Gremien untersuchten die Vorwürfe gründlich, u.a. Kommissionen des britischen Parlaments, der University of East Anglia und der Pennsylvenia State University in den USA.  Ergebnis: Es gebe „keine Belege für jegliche absichtliche Fehlleistung in jeglichen Arbeiten der Klimaforschungseinheit“. Und bei dem „Trick“ habe es sich lediglich um eine statistische Methode gehandelt, Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzufassen.

„Die IPCC-Berichte sind falsch“

Im Dezember 2009 wurde bekannt, dass sich im Bericht des UN-Klimarates IPCC ein Zahlendreher eingeschlichen hatte: Die Schmelze des Himalaya-Gletschers wurde für das Jahr 2035 (statt 2350) vorhergesagt. Die Aussage findet sich aber lediglich im IPCC-Bericht der Arbeitsgruppe II, der ergänzende Aussagen zum Klimawandel enthält – er wurde aus einer fehlerhaften Quelle zitiert. Das Hauptkapitel zu Gletschern hingegen war fehlerfrei, was allerdings kaum von Medien berichtet wurde.

Im weiteren Verlauf wurde bekannt, dass ebenfalls im Bericht der Arbeitsgruppe II steht, 55 Prozent der Fläche der Niederlande lägen unter dem Meeresspiegel. Korrekt wären aber 26 Prozent gewesen. Die fehlerhafte Zahl stammte von der holländischen Regierung. Im entscheidenden Bericht der Arbeitsgruppe I des IPCC, der die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels behandelt, konnten Klimaskeptiker trotz offenbar großer Mühen jedenfalls keine derartigen Fehler finden. Dass ein wissenschaftlicher Bericht mit 2.800 eng bedruckten Seiten Fehler enthält, ist sicher nicht überraschend. Doch ein ungeschickter Umgang der IPCC-Führung hat das Problem verstärkt; trotz besseren Wissens gab es anfangs keine öffentliche Korrektur. Als Folge des „Skandals“ wurde ein Aufsichtsgremium für den Weltklimarat berufen. Doch einen Grund, an den zentralen Aussagen der Klimawissenschaft zu zweifeln, bieten alle Fehler im IPCC-Bericht nicht.

„Die Wissenschaft ist sich uneins“

Eine immer wieder gehörte Behauptung ist, die Experten seien sich uneinig, und überhaupt wisse man noch nicht genug übers Klima. Bei vielen Detailfragen des hochkomplexen Klimasystems gibt es tatsächlich noch Unsicherheiten, deshalb sind exakte Prozentzahlen für Wahrscheinlichkeiten oder eine zentimetergenaue Vorhersage des Meeresspiegelanstieges nicht möglich. Doch in den zentralen Aussagen sind sich praktisch alle relevanten Wissenschaftler, die im Bereich der Klimaforschung arbeiten, einig: Die Treibhausgasemissionen des Menschen sind hauptverantwortlich für den gefährlichen Klimawandel. Die Sonnenaktivität, die gern dafür verantwortlich gemacht wird, hat natürlich auch einen Einfluss – doch er ist ziemlich klein.

Journalisten haben oft Schwierigkeiten, die meist vorsichtige Sprache von Wissenschaftlern zu verstehen. Medien leben häufig davon, komplexe Vorgänge zu vereinfachen und zuzuspitzen – bei Berichten über den Klimawandel kommt es daher auch zu Übertreibungen, die dann als „Ökohysterie“ Wasser auf die Mühlen der Skeptiker sind. Auf der anderen Seite präsentieren Journalisten lieber scheinbar überraschende Erkenntnisse als weitere Argumente für einen längst bekannten, wissenschaftlichen Konsens. Oft wird auch, um „Ausgewogenheit“ zu demonstrieren, einer der wenigen Wissenschaftler zitiert, die Zweifel betonen. Beim Publikum entsteht dadurch der Eindruck, es handle sich um gleichwertige Positionen.

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