Die Abholzung der Wälder

Abholzung des Regenwaldes

Wenn Wald verschwindet, wird Kohlendioxid freigesetzt – das weltweite Abholzen von Bäumen trägt deshalb maßgeblich zum Klimawandel bei. Dabei geht es nicht nur um Kohlendioxid, das im Holz gebunden ist; auch in den Böden gesunder Wälder sind große Mengen von Kohlenstoff gespeichert. Werden zum Beispiel ehemalige Waldböden als Äcker genutzt und regelmäßig gepflügt, gelangt mehr Sauerstoff in die Erde, und Bodenorganismen setzen mehr Kohlendioxid frei.

Jedes Jahr werden derzeit bis zu 13 Millionen Hektar Wald vernichtet. Verschiedene Studien gehen von einem Anteil der Entwaldung am Treibhauseffekt von 20 bis 25 Prozent aus, der Weltklimarat IPCC sprach 2007 von 17,4 Prozent. Es wird geschätzt, dass zusätzlich zu den anderen CO2-Emissionen jährlich rund zwei Milliarden Tonnen aufgrund von Entwaldung ausgestoßen werden.

Klar ist also, dass nicht nur die Minderung von Emissionen (zum Beispiel durch Energiesparen) der Erderwärmung entgegenwirkt, sondern auch der Schutz oder das Neupflanzen von Wäldern. Aus diesem Grund werden bestimmte Instrumente im Bereich der Forstwirtschaft im Rahmen des Kyoto-Protokolls auch als Klimaschutzmaßnahmen angerechnet. Das Fach-Kürzel LULUCF („Land Use, Land-Use Change and Forestry“, zu Deutsch: Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft) weist darauf hin, dass es nicht nur um Wälder geht: Auch der Erhalt von Wiesen oder die schonende Bewirtschaftung von Äckern bindet Kohlendioxid. Doch die exakte Berechnung der Mengen ist schwierig, die Details der Anrechnung solcher Maßnahmen sind deshalb in der internationalen Klimadiplomatie heiß umstritten.

Zuckerrohrfeld

Soja, Zuckerrohr und Palmöl

Größtes Problem sind die systematischen Abholzungen der letzten großen Regenwälder, besonders in Brasilien und Indonesien. Vor allem die Zerstörung von Torfwäldern schadet dem Klimawandel, da in den Bäumen und den Mooren große Mengen Kohlendioxid gespeichert sind. Laut einer Studie vom Max-Planck-Institut, dem Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sowie dem UN-Umweltprogramm Unep sind allein in den Wäldern des Amazonasgebietes etwa 80 bis 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert – also mehr als das Hundertfache der jährlichen CO2-Emissionen Deutschlands. Wegen seiner Rodungen gilt Brasilien als der viertgrößte Treibhausgas-Verursacher weltweit. In der Vergangenheit wurden die Amazonas-Wälder vor allem für die Viehzucht und den Anbau von Soja für Tierfutter vernichtet, immer mehr Flächen werden aber auch für Zuckerrohr und damit zur Agrosprit-Produktion genutzt. Die genauen Veränderungen der Landnutzung sind schwer nachzuvollziehen, was eine verlässliche Zertifizierung von „nachhaltig“ erzeugtem Agrosprit nahezu unmöglich macht. Häufig nämlich werden ehemalige Weidewiesen zu Plantagen umgewidmet, was für sich genommen kein Klimaproblem wäre. Doch die Viehzüchter ziehen oft weiter – und roden neue Regenwald-Flächen.


In Indonesien verdrängen vor allem Palmölplantagen die einstigen Tropenwälder. Aus dem Flugzeug betrachtet wirkt die einstige Wildnis Borneos wie ein Schachbrett: Tausende Palmölplantagen reihen sich aneinander. Dort wächst der Grundstoff fürs begehrte Palmöl, das sowohl zur Energiegewinnung wie auch zur Nahrungsmittelherstellung verwendet werden kann. Produzenten wie der Konzern Sinar Mas werden seit langem für eine rücksichtslose Firmenpolitik kritisiert, auf Druck von Umweltschützern erklärten beispielsweise die Firmen Unilever und Kraft, kein Palmöl der Firma mehr anzukaufen. Zuletzt setzte Greenpeace den Nestlé-Konzern mit einer Boykott-Kampagne unter Druck – denn, was kaum jemand weiß, auch im beliebten Kitkat-Riegel steckt ebenfalls Palmöl.

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