Gewinner oder Verlierer?
In dieser Woche haben sich sogar zwei Experten Zeit für das Klima-Orakel genommen: Alex Stegemann vom Naturschutzbund (NABU) und Prof. Dr. Wolfgang Cramer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
„Hat der Klimawandel auch positive Auswirkungen auf die Tier- und
Pflanzenwelt?“ (Anna Müller, Frankfurt)
Alex Stegemann (Naturschutzbund): „Grundsätzlich bringt der Klimawandel durch verschobene Jahreszeiten, erhöhte Temperaturen und veränderte Niederschläge die Natur aus den Fugen. Veränderungen dieser Art gab es schon immer, doch die menschengemachten Veränderungen haben ein nie dagewesenes Tempo und Ausmaß angenommen! Besonders spezialisierte Tier- und Pflanzenarten sind durch den schnell voranschreitenden Klimawandel akut gefährdet, weil ihnen schlicht die Zeit fehlt sich anzupassen.
So muss sich das kälteliebende Alpenschneehuhn (Lagopus muta) in immer höhere Gebiete oberhalb der Baumgrenze zurückziehen. Dort tummeln sich immer mehr Arten, die vor der Wärme fliehen. Die Zahl der Brutpaare nimmt immer weiter ab und die Flucht endet spätestens auf dem Gipfel.
Die Raupen des Natterwurz-Perlmutterfalters (Boloria titania), der es kühl und feucht mag, brauchen den Wiesenknöterich (Polygonum bistorta) als Futterpflanze. Die Klimaerwärmung zwingt den Schmetterling neue Lebensräume weiter nordöstlich und in Skandinavien zu suchen. Dazu ist er als mobile Art vielleicht sogar in der Lage, aber der Wiesenknöterich kann sich nicht so schnell ausbreiten. So werden die Überschneidungen des Verbreitungsgebietes beider Arten immer kleiner.
Anderen meist weniger spezialisierten und mobilen Arten bieten die klimatischen Veränderungen die Möglichkeit, neue Lebensräume zu besiedeln. Diese könnte man also auch als die „Gewinner“ des Klimawandels bezeichnen. Sehr oft jedoch sind dies Arten, die bei uns nicht heimisch sind und auf ihrem Weg nach Norden hier lebende Arten verdrängen.
Bei Allergikern besonders gefürchtet findet das Ambrosia-Kraut (Ambrosia artemisifolia), begünstigt durch den Klimawandel, in Deutschland immer bessere Bedingungen. Ursprünglich war es in warmen Regionen Nordamerikas beheimatet und verbreitete sich, im 19. Jahrhundert von dort eingeschleppt, über Süd- und Osteuropa bis zu uns.
Es wird also durchaus Gewinner geben. Verlieren wird aber auf kurz oder lang immer die Vielfalt und Einzigartigkeit von natürlichen Lebensräumen.“
Redaktionstipp: Ausführlichere Informationen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Tier- und Pflanzenwelt finden Sie in den NABU-Broschüren „Arten im Klimawandel“ sowie „Natur im Klimawandel“.
Prof. Dr. Wolfgang Cramer (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung): „Ja! Aber man muss abwägen, welche Auswirkungen überwiegen. Grundsätzlich gibt es viele Pflanzen und Tiere, die es, wie wir selbst auch, gern etwas wärmer mögen. Der Klimawandel erlaubt es Pflanzen, im Frühjahr früher auszutreiben, er schützt sie vor winterlichen Frostschäden und er erspart manchen Zugvögeln die winterliche Reise in wärmere Regionen.
Dennoch, seine Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt sind überwiegend negativ: Erstens verläuft die aktuelle Erwärmung deutlich schneller als jemals in der jüngeren Erdgeschichte. Das heißt, die meisten Tiere und Pflanzen können sich nicht daran anpassen. Zweitens sind viele Ökosysteme schon durch andere Faktoren stark belastet, etwa durch Verstädterung, Landwirtschaft und Luftverschmutzung. Die hierdurch schon bedrohten Arten können bei fortschreitendem Klimawandel schnell aussterben.
Und drittens hängt die Versorgung der Weltbevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen der Ökosysteme sehr stark vom aktuellen Muster der Klimazonen ab, besonders in ländlichen Regionen der Dritten Welt. Deshalb führen klimabedingte Veränderungen der Tier- und Pflanzenwelt vielerorts auch zu Verlusten an menschlicher Lebensqualität.“
Hier geht es zu allen Fragen und Antworten des Klima-Orakels.

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Kommentare
1. Grundsätzlich bringt der Klimawandel durch verschobene Jahreszeiten, erhöhte Temperaturen und veränderte Niederschläge die Natur aus den Fugen.
Die Natur lässt sich nicht aus den Fugen bringen. Nur der Mensch denkt sich das so.
2. Veränderungen dieser Art gab es schon immer, doch die vom Menschen verursachten Veränderungen haben ein nie dagewesenes Tempo und Ausmaß angenommen.
Dieses ist nach wie vor nicht bewiesen und unter Klimaexperten strittig, auch wenn sich ein Teil der Wissenschaft darauf geeinigt hat. Das als Fakt hinzustellen, ist unverantwortlich
3. Besonders spezialisierte Tier- und Pflanzenarten sind durch den schnell voranschreitenden Klimawandel akut gefährdet, weil ihnen schlicht die Zeit fehlt sich anzupassen. So muss sich das kälteliebende Alpenschneehuhn (Lagopus muta) in immer höhere Gebiete oberhalb der Baumgrenze zurückziehen. Dort tummeln sich immer mehr Arten, die vor der Wärme fliehen. Die Zahl der Brutpaare nimmt immer weiter ab und die Flucht endet spätestens auf dem Gipfel.
So, liebe Naturleute: Das nennt man Natur. Was gibt es da zu jammern?
4. Anderen meist weniger spezialisierten und mobilen Arten bieten die klimatischen Veränderungen die Möglichkeit, neue Lebensräume zu besiedeln. Diese könnte man also auch als die „Gewinner“ des Klimawandels bezeichnen. Sehr oft jedoch sind dies Arten, die bei uns nicht heimisch sind und auf ihrem Weg nach Norden hier lebende Arten verdrängen.
Auch das ist nichts anders als Natur
5. Bei Allergikern besonders gefürchtet findet das Ambrosia-Kraut (Ambrosia artemisifolia), begünstigt durch den Klimawandel, in Deutschland immer bessere Bedingungen. Ursprünglich war es in warmen Regionen Nordamerikas beheimatet und verbreitete sich, im 19. Jahrhundert von dort eingeschleppt, über Süd- und Osteuropa bis zu uns.
Ja, und?
6. Es wird also durchaus Gewinner geben. Verlieren wird aber auf kurz oder lang immer die Vielfalt und Einzigartigkeit von natürlichen Lebensräumen.
Dazu möge man mal belastbare Beweise vorlegen. Zudem entstehen neue Lebensräume, die früher oder später auch Einzigartig sind. Was gibt es daran zu bemängeln?
Was denken Sie?