17. Juni 2010

Klimafreundlichkeit von Textilien?

Klima-Orakel Verbraucherfragen Expertenantworten Klima Energie

„Baumwolle, Schafswolle oder Kunstfaser: Welches Material ist am klimafreundlichsten?“ (Nuran Yildiz, Witten)


Klima-Orakel Verbraucherfragen Expertenantworten Klima Energie

Brigitte Zietlow (Umweltbundesamt): „Eine pauschale Aussage, welche Faserart am klimafreundlichsten ist, lässt sich nicht treffen, da diese maßgeblich von den Randbedingungen der Produktion abhängt.

Die Herstellung von Chemiefasern (synthetische und cellulosische) erfordern einen hohen Energieaufwand. Bei synthetischen Chemiefasern ist zu berücksichtigen, dass die meisten Fasern aus nicht erneuerbaren Rohstoffen produziert werden. Der Verwendung von Recyclingfasern (z.B. aus gebrauchten PET-Flaschen) kann die Klimabilanz erheblich verbessern.

Die CO2-Emissionen beim Baumwollanbau hängen stark vom Grad der Mechanisierung beim Baumwollanbau und von den eingesetzten Düngemitteln und Pestiziden ab. Sie können unter Umständen fast so hoch sein wie für synthetische Chemiefasern. Bio-Baumwolle hat eine deutlich bessere Klimabilanz als konventionelle Baumwolle (und als Chemiefasern), da weniger Düngemittel und Pestizide eingesetzt werden.

Auch die Erzeugung von Schafwolle ist klimarelevant. So entstehen bei der Schafhaltung Methanemissionen (Klimawirksamkeit 22-mal so groß wie von CO2) durch die Verdauung. Diese können allerdings nicht alleine der Wollherstellung zugeschrieben werden, da die Schafe vor allem zur Fleischerzeugung gehalten werden. Die Wäsche der Rohwolle kann je nach Prozessführung ebenfalls mit hohen CO2-Emissionen verbunden sein. Durch Verzicht auf Pestizide und Insektizide bei der Schafhaltung und durch verringerten Energieeinsatz bei der Rohwollwäsche kann die Klimabilanz für Schafwolle verbessert werden.

Neben der Klimarelevanz sollten für die Bewertung der Faserarten auch andere Umweltbelastungen berücksichtigt werden. Viel entscheidender für die Umwelt als die Art der Faser ist es, die Menge an Textilien, die pro Person konsumiert wird, zu reduzieren und sie bei möglichst niedrigen Temperaturen zu waschen.“

 

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