05. Mai 2011

Mehr Arbeitslose = weniger CO2?

Klima-Orakel Verbraucherfragen Expertenantworten Klima Energie Klimawandel

„Was vermeidet ein Arbeitsloser an CO2, weil er weniger produziert? Und ändert das seine Klimabilanz?“ (Michael  Huber, Berlin)

Klima-Orakel Verbraucherfragen Expertenantworten Klima Energie Klimawandel

Prof. Reimund Schwarze (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung): „‚Der alleinige Zweck der Produktion ist der Konsum’, schrieb schon Adam Smith. Was ein Arbeitsloser also an CO2 verursacht, hängt nicht von dem, was er produziert ab, sondern von seinem Konsumverhalten. Wenn er weniger konsumiert, weil sein Einkommen gesunken ist, wird dies natürlich seine Klimabilanz verbessern. Das gilt nur unter der sehr streitbaren Annahme, dass sich nichts weiter durch die Arbeitslosigkeit ändert als sein Einkommen.

Durch die Arbeitslosigkeit ändert sich aber vieles andere, beispielsweise die Konsumgewohnheiten. Hier zeigt die Konsumforschung: Gespart wird in der Arbeitslosigkeit besonders bei Lebensmitteln, nicht bei den Freizeitausgaben und wenig bei den Gesundheitsausgaben. ‚Discounter’ statt ‚Bioläden’ heißt für viele die erzwungene Antwort auf die Arbeitslosigkeit, die sich natürlich negativ auf die Klimabilanz auswirkt. Ob diese klimaseitig ‚negative’ Änderung in der Konsumstruktur den klimaseitig ‚positiven’ Effekt der Verringerung des Konsumniveaus durch Einkommensausfall kompensieren kann, so dass die Klimabilanz eines Arbeitslosen möglicherweise sogar schlechter wird als vor der Arbeitslosigkeit, ist meines Wissens noch nicht untersucht worden.

Die Frage nach dem Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und CO2-Ausstoß stellt sich nicht nur im Kontext individueller Arbeitslosigkeit, sondern auch gesamtwirtschaftlich oder sogar global. Hierzu gibt es bereits theoretische und empirische Befunde. Im globalen Zusammenhang gibt es beispielsweise die so genannte Kaya-Indentität, benannt nach dem japanischen Ökonomen Yoiche Kaya. Demnach gilt: Nur wenn die globale Produktion den Wert Null annimmt, wäre der globale CO2-Ausstoß auch Null. Aber dazu müsste die warenförmige Produktion weltweit völlig eingestellt werden. Das erscheint als ein unwirkliches Gedankenspiel.

Ein weniger drastisches, wenn auch großes Experiment haben wir aber gerade hinter uns – die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009. Hier ist das Ergebnis eindeutig: Mit der Wirtschaftskrise ging der weltweite Kohlendioxidausstoß kaum zurück. Der Trend der Zunahme der globalen CO2-Emissionen ist ungebremst. Insofern führt die Arbeitslosigkeit auch in einer Makro-Betrachtung nicht zu einer eindeutigen, vor allem aber zu keiner nachhaltigen Verbesserung der Klimabilanz.“

 

Hier geht es zu allen Fragen und Antworten des Klima-Orakels.

Klima-Orakel Verbraucherfragen Expertenantworten Klima Energie Klimawandel

Scheinheilige Unternehmen?

„Heute behauptet fast jedes Unternehmen, dass es etwas für den Klimaschutz tut: Wie kann ich herausfinden, ob das wirklich stimmt?“, will Rolf Behringer aus Wernigerode wissen. Esther Zippel vom Umweltgutachterausschuss (UGA) weiß, wie man die Spreu vom Weizen trennt.  mehr

Tierische Klimagase

Ob CO2 oder Methan – die Klimakiller werden auch von Lebewesen ausgestoßen. Welche Lebewesen dabei besonders viele klimaschädliche Emissionen verursachen, weiß Dr. Frank Keppler vom Max-Planck-Institut für Chemie. mehr

Klimaerwärmung – und dann?

Das Klima-Orakel hat 100. Jubiläum und für alle Fans gibt es die Möglichkeit, eine Broschüre der besten Fragen und Antworten zu bestellen. Die Jubiläumsfrage: Wie lange wird die menschgemachte Klimaerwärmung andauern? Darauf antwortet Dr. Irene Fischer-Bruns vom Climate Service Center. mehr

bewerten
teilen
melden
drucken
Lesezeichen

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denken Sie?




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.

Die mit * markierten Felder sind Pflichtfelder.

EnergiesparChecks


KonsumCheck

Finden Sie heraus, wie viele Emissionen durch unseren Konsum entstehen und wie Sie klimafreundlicher einkaufen. mehr


Heizatlas

Wie viel verheizen meine Nachbarn? Vergleichen Sie den Heizenergieverbrauch von Wohngebäuden. mehr


Logo des EnergieCheck

Mit der neuen App für Android, iPhone & Co. sorgen Sie mobil für Überblick beim Energieverbrauch. mehr


Zu allen EnergiesparChecks

Ihre Klimaschutz-Frage

Sie fragen, Politiker antworten

Einfach Ihre Postleitzahl eingeben, Bundestagsabgeordneten finden und fragen!

Ihre Postleitzahl:


abegordnetenwatch.de: Das virtuelle Wählergedächtnis

Ein Service von abgeordnetenwatch.de

Klima-Barometer

Die EEG-Umlage

Welcher Aspekt sollte sich Ihrer Meinung nach bei der EEG-Umlage in Zukunft am dringendsten ändern?

  • Die energieintensiven Unternehmen sollten finanziell stärker in die Pflicht genommen werden.
  • Die Umlage sollte für Verbraucher sinken, da sie derzeit unverhältnismäßige Kosten tragen.
  • Die EEG-Umlage sollte ganz abgeschafft werden.
  • Die Umlage ist gut so, denn ich bin gern bereit, damit den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern.