Energiestandards - ein Vergleich

Soll die Energiewende gelingen, müssen die Gebäude in denen wir wohnen und arbeiten deutlich energieeffizienter werden, als bisher. Technisch ist das längst machbar. Gefördert werden sowohl Sanierungsmaßnahmen als auch energieeffiziente Neubauten ebenfalls.

Rundum gedämmt im Passivhaus.
Rundum gedämmt im Passivhaus. Grafik: Passivhaus Institut Darmstadt

Bereits vor fast einem Viertel Jahrhundert wurde in Darmstadt erstmals ein Mehrfamilienhaus mit einem Heizenergieverbrauch unter 12 kWh/(m²a) gebaut. Das Haus bildet den Grundstein des Passivhaus-Konzeptes, der vom inzwischen europaweit anerkannten Passivhaus Institut Darmstadt entwickelt wurde. 

Über 20.000 Gebäude sind alleine in Deutschland nach diesen Kriterien errichtet worden. Ziel dieses Gebäudestandards ist es, energieeffizientes, klimafreundliches und gleichzeitig wirtschaftliches Bauen zu ermöglichen, ohne dass der Wohnkomfort dabei auf der Strecke bleibt. Die genauen Anforderungen an ein Passivhaus werden durch den Passivhaus-Energiestandard beschrieben:

  • Der Heizenergiebedarf sollte maximal 15 kWh/(m²a) betragen.
  • Der Primärenergieverbrauch für den restlichen Heizbedarf, Warmwasserbereitung, Lüftung und Haushaltsstrom sollte 120 kWh/(m²a) nicht überschreiten.
  • Die Luftwechselrate wird auf einen Wert von maximal n50=0,6 /h begrenzt. 

Der Heizenergieverbrauch eines Passivhauses liegt rein rechnerisch bei nicht mehr als 1,5 Litern Heizöl oder 1,5 Kubikmeter Erdgas pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr, ein normales Gebäude liegt bei sechs Liter und mehr. Logisch, dass die Heizkosten beim Passivhaus sehr niedrig sind: grob gesagt liegen sie im Schnitt bei einen Euro pro Quadratmeter und Jahr.

Ob Holz- oder Ziegelbau, beides ist beim Passivhaus möglich, allerdings ist eine hochwertige Dämmung notwendig. Eine Hülle aus hochwirksamen Dämmmaterialien in den Außenwänden, beim Dach und den erdberührenden Teilen hält die Wärme schützend im Haus. Ein wichtiges Element sind dabei mehrfachverglaste Fenster mit besonders gut gedämmten Rahmen. Damit die Wärmeverluste möglichst gering ausfallen und um im Winter von der Sonnenwärme zu profitieren, werden auf der südlichen Seite oft größere Fenster eingesetzt als auf der sonnenabgewandten Seite.

Aus dem gleichen Grund werden solche Häuser kompakt gebaut und auf architektonische Spielerein wie Erker meist verzichtet. Langweilig oder gar hässlich müssen die Häuser dennoch nicht aussehen. Immer mehr Hersteller bieten Komponenten wie Schiebetüren, Lichtkuppeln und Balkonsysteme an, die nach Passivhaus-Standard zertifiziert sind, mit denen Planer die individuellen Wünsche von Bauherren erfüllen können. Wer weniger Planungsaufwand haben will, kann inzwischen auch komplette Passiv-Fertighäuser erwerben.


Knackpunkt: ein intelligentes Lüftungssystem

Heutige Neubauten müssen gesetzlich vorgeschrieben luftdicht gebaut werden. Das ist auch die Grundlage des Passivhauses. Weil ein Passivhaus aber die Körperwärme von Bewohnern, abstrahlende Energie von Haushaltsgeräten und durch Fenster einfallende Sonnenstrahlen als Wärmequelle nutzt, sorgt eine Lüftungsanlage für frische Luft, bei der durch Wärmerückgewinnung die Wärme der Abluft wieder verfügbar gemacht wird. Das bedeutet nicht, dass die Fenster in einem Passivhaus zur Lüftung nicht geöffnet werden können. Sie müssen es aber nicht. Menschen, die unter Heuschnupfen oder anderen Allergien leiden, können von der gefilterten Frischluft profitieren. Natürlich muss die Filtertechnik regelmäßig gewartet werden. Nur, wenn das Haus tatsächlich luftdicht ist, kann das Passivhaus-Konzept funktionieren. Das wird mit Hilfe eines Blower-Door-Tests geprüft.

Weil der Heizbedarf so gering ist, wird keine große, teure Heizung benötigt. Der restliche Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser kann auf unterschiedliche Weise erzeugt werden: Zum Beispiel über einen kleinen Gas-Brennwert-Kessel mit zentralem Warmwasserspeicher, ein Wärmepumpen-Kompaktgerät, das die Funktionen Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Heizung, Warmwasserbereitung und -speicherung in einem Gerät kombiniert oder auch einen Holzpelletsofen, der im Erdgeschoss für eine gemütliche Atmosphäre sorgt. Auch der Anschluss an das Nah- oder Fernwärmenetz ist möglich.

So mancher Altbau lässt sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht komplett zum Passivhaus umrüsten. Dennoch sind auch hier sehr hohe Energieeinsparungen machbar. Für diese Fälle hat das Passivhaus Institut den Zertfikatsstandard EnerPHit entwickelt. Solche Gebäude dürfen maximal einen Heizwärmebedarf von 25 kWh/ (m²a) haben.


Ein Passivhaus ist nicht automatisch ökologisch

Passivhäuser sind ohne Zweifel energieeffizient und auch ökonomisch sinnvoll, weil sie durch den geringen Energieverbrauch den Geldbeutel schonen. Wer rundum ökologisch bauen möchte, sollte Baustoffe wählen, die aus nachwachsenden, gut recyclebaren und schadstoffgeprüft Rohstoffen stammen und emissionsarm gefertigt wurden. In der deutschen Baustoffdatenbank werden die ökologische Wirkungen verschiedenster Baumaterialien beschrieben.

Ein weiterer Aspekt: Gut gedämmte Häuser sparen Energie, allerdings muss für die Herstellung von Dämmmaterialien natürlich auch Energie aufgewendet werden. Wie viel Dämmung macht also Sinn? Die Frage ist nicht leicht und vor allem nicht pauschal zu beantworten. Das Institut Bauen und Umwelt (IBU)  betreibt eine Datenbank, in der Umweltleistungen von Bauprodukten beschrieben werden. Einfach zu verstehen sind die Datensätze leider nicht, wer sich aber einen Eindruck von der Ökobilanz seiner Materialien verschaffen will, sollte den Blick in die Datenbank wagen.

Ab 2021 europaweit Niedrigst-Energiegebäude

EU-Gebäuderichtlinie verschärft Anforderungen an die Gebäudehülle

Die Europäische Union hat mit der EU-Gebäuderichtlinie beschlossen, dass ab 2021 in ganz Europa nur noch „nearly zero-energy-building“, also Niedrigst-Energiegebäude, als Neubauten zugelassen sind. Diese Vorgaben werden mit Hilfe der Energieeinsparverordnung (EnEV) in deutsches Recht umgesetzt. Derzeit gilt noch die EnEV in der Fassung von 2009.

Nach der Sommerpause will der Bundestag die EnEV 2014 beschließen. Das novellierte Gesetz sieht vor, dass bei Neubauten der Energiebedarf 2014 und 2016 um je 12,5 Prozent gesenkt werden soll. Im Vergleich zu EnEV 2009 steigen die Anforderungen an die Gebäudehülle um zehn Prozent. Für den Gebäudebestand ist keine Verschärfung der Regelungen geplant. Auch nach den verschärften Anforderungen der EnEV 2014 liegt der Energieverbrauch eines Hauses nach Passivhaus-Standard zweieinhalbmal niedriger.

KfW-Effizienzhaus

Der energieeffiziente Hausbau und die Sanierung alter Wohnungen werden von der Bundesregierung gefördert. Die KfW-Bank vergibt dafür zinsgünstige Kredite und Investitionszuschüsse. Dafür hat sie verschiedene Standards für das KfW-Effizienzhaus entwickelt:

  • Energieeffizient Bauen: 40, 55 und 70
  • Energieeffizient Sanieren: 55, 70, 85, 100, 115 und KfW-Effizienzhaus Denkmal

Die unterschiedlichen Zahlenwerte geben an, wie hoch der Jahresprimärenergiebedarf sein darf: Das KfW-Effizienzhaus 55 darf höchstens 55 Prozent eines Referenzgebäudes nach EnEV 2009 betragen.

Unterschiedliche Berechnungsmethoden

Passivhaus und KfW-Effizienzhaus werden nach unterschiedlichen Verfahren berechnet. Die Ergebnisse sind deshalb nicht direkt vergleichbar. Bei der Berechnung nach EnEV wird beim Primärenergiebedarf nur die zum Heizen nötige Energie betrachtet und der Verbrauch bezieht sich auf die gesamte Gebäudenutzfläche. Beim Passivhaus-Verfahren, genannt „Haus Projektierungs Paket“ (PHPP) wird nur die beheizte Wohnfläche betrachtet und der Primärenergiebedarf enthält Heizung, Trinkwarmwasser und Haushaltsstrom. Es gibt kritische Stimmen, die die Berechnungsergebnisse nach PHPP näher an der späteren Wohnrealität sehen, weil die Randbedingungen realistischer gewählt sind. 

Auch ein Passivhaus kann natürlich als KfW-Effizienzhaus 40 oder 55 angemeldet und dementsprechend gefördert werden. In jedem Falle sollte sich Bauherren möglichst frühzeitig von erfahrenen und zertifizierten Architekten und Planern beraten lassen: So können schon in der Anfangsplanung Fehler vermieden werden, die hinterher die Energieeffizienz des Hauses beinträchtigen oder gar die KfW-Förderung aufs Spiel setzen, weil zum Beispiel nicht von der KfW genehmigte Bauteile verwendet wurden.

Nullenergiehaus und Plus-Energie-Haus

Bei den Begriffen Nullenergiehaus und Plus-Energie-Gebäude handelt es sich um keine festgelegten Energiestandards. Als Nullenergiehaus wird ein Haus bezeichnet, das rein rechnerisch so viel Energie produziert, wie es selbst für Heizung, Warmwasser und Anlagentechnik verbraucht. Dies wird durch eigene Wärme- und Stromerzeugung durch eine Solarwärme- und Photovoltaikanlage erreicht. Ein Plus-Energie-Haus kann sogar einen Überschuss an Energie erwirtschaften.


Autor/in: Daniela Becker

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Kommentare

13-07-11 16:16 Mayer
Hallo lieber Verfasser,

die Nachteile welche Sie beim Passivhaus anführen, insbesondere was die Wärmebrücken und Luftdichtheit anbelangt sind Planungsgrundsätze die man bei heutiger Bauweise allgemien und nach EnEV 2009 beachten sollte. Diese haben nur indirekt mit der Passivhausbauweise zu tun.
Ihre Behauptung, dass es im Passivhaus keine Fenster zum Öffnen gibt ist absoluter Schwachsinn. Bei den Passivhäusern die ich gebaut habe, sind wie in anderen Häusern auch, in allen Räumen Fenster die man nach Belieben öffnen kann. Es ist lediglich so, dass man zum Lüften nicht die Fenster öffnen muss. Das übernimmt, sogar viel besser, die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Der Verfasser sollte sich, bevor er solche Halbwahrheiten publiziert, erst einmal richtig informieren. Das gilt insbesondere für den Fachjournalist(Hallo Herr Schwarzburger).

Viele Grüße
19-09-11 14:08 co2online
Sehr geehrter Herr Mayer,

in unserem Text steht, dass es Passivhäuser gibt, in denen sich die Fenster nicht öffnen lassen und dieser Umstand für die Nutzer von Nachteil sein kann. Aber Sie haben natürlich Recht, bei zahlreichen Passivhäusern ist dies heute nicht (mehr) der Fall und die Fenster können geöffnet werden.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr co2online-Team
25-05-12 18:44 Johannes Laible
Sorry, aber dieser Text muss dringend überarbeitet werden. Die "Nachteile" die Sie nenen lassen einen erschaudern. Seit wann ist es ein Nachteil, wenn man Wärmebrücken vermeidet?
Luftdicht MÜSSEN heute alle Neubauten sein. Das hat mit Passivhaus gar nichts mehr zu tun. Und luftdicht Bauweise ist gegenüber der Bauweise früherer Jahrzehnte ein klarer Vorteil.
Dass es immer noch Leute gibt, die behaupten: "In vielen Passivhäusern lassen sich die Fenster nicht öffnen". Zeigen Sie mir ein (nur eines!) Passivhaus, das Fenster hat, die man nicht öffnen darf (Gefängnisse ausgenommen) und ich spendiere Ihnen, dem Autor, Herrn Schwarzburger und dem Umweltministerium ein Paket "Passivhaus Kompendium".
Mit freundlichen Grüßen

Johannes Laible

Passivhaus Kompendium
Laible Verlagsprojekte
Postfach 128
D-78472 Allensbach
Tel. ++49 7533 98300
Fax ++49 7533 98301
www.phk-verlag.de
laible@phk-verlag.de
29-05-12 10:31 co2online
Sehr geehrter Herr Laible,

mit ihren Einwänden haben Sie recht. Es ist bereits geplant, den Artikel in naher Zukunft zu überarbeiten.

Vielen Dank für Ihre Anmerkungen und freundliche Grüße nach Allensbach,

Ihr co2online-Team
30-01-13 17:29 Tim van Hees
Sehr geehrtes co2online-Team,

ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass Ihr Artikel, obwohl gegenüber Herrn Laible zugesichert, bisher immer noch nicht überarbeitet ist. In der alltäglichen Praxis hat man genügend mit Vorurteilen zu kämpfen. Ein solcher Artikel macht die bisherige Basisarbeit nur schwerer. Ich bitte um eine schnelle Überarbeitung des Artikels bzw. eine Herausnahme aus Ihrem Online-Auftritt.

Mit freundlichen Grüßen

Tim van Hees
25-03-13 15:48 co2online
Sehr geehrter Herr van Hees,
wir haben den Beitrag nun überarbeitet und aktualisiert.

Ihr co2online-Team

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