
Heizungspumpen einstellen

- Foto: Grundfos
Im Handumdrehen ein Drittel weniger
Wer bei den Heizkosten sparen will, sollte nicht nur darauf achten bei aufgedrehten Thermostatventilen die Fenster zu schließen, sondern auch einmal in seinem Heizkeller nach der Heizungspumpe sehen. Denn wesentliche Faktoren sind auch die Einstellung und Wattleistung der Pumpe: Wer seine Anlage intelligent steuert, spart Stromkosten.
Energiefresser Heizungspumpe
Nach einer Stichprobe von etwa 1.500 Gebäuden beträgt die durchschnittliche Betriebsstrom-Belastung einer Wohnung 42 Cent je m² und Jahr - eine Vergeudung von Geld und Energie. In 36 Millionen Haushalten liegt die Gesamtbelastung bei 1,2 Milliarden Euro. Eine glatte halbe Milliarde könnte eingespart werden.
Hauptursache für die hohen Kosten sind überdimensionierte alte Pumpen in den Heizkellern. Der Blick aufs Typenschild bringt die Verschwendung an den Tag: Pumpen mit mehr als hundert Watt Leistung sind keine Seltenheit, obwohl heute 20 bis 30 Watt für Einfamilienhäuser ausreichen. Ganz neue Geräte kommen sogar schon mit noch weniger Wattleistung aus. Über den Daumen kann man rechnen: mit einem Watt pro Heizkörper kommt man gut hin, wer ganz sicher gehen will (und es gerne schnell warm hat) kalkuliert mit zwei Watt.
Gründe, weshalb allein in den 18 Millionen Einfamilienhäusern meist zu große Pumpen laufen, gibt es viele: beispielsweise dass der so genannte „hydraulische Abgleich“ nicht gemacht wurde, also eine Abstimmung der Ventileinstellungen im Gebäude aufeinander, die eine gleichmäßige Verteilung der Wärme gewährleistet.
Ein solcher Abgleich ist bei Handwerkern nicht besonders beliebt, weil Zeit aufwendig und mit viel Lauferei verbunden, außerdem müssen alle Wohnungen zugänglich sein. Dazu kommt: den zusätzlichen Zeitaufwand will kein Bauherr oder Hausbesitzer gerne zahlen. Also kauft man lieber eine kräftigere Pumpe, die das Wasser so richtig durchs Gebäude jagt. Motto: dann kann nix schief gehen...
Auch der Austausch einer Pumpe - etwa wenn sie defekt ist - führt nur selten zu einem kleineren Kaliber. So mancher Handwerker macht sich die Sache einfach und baut eine Pumpe gleicher Baulänge und gleicher Leistung ein. Kein Hausbesitzer wird da misstrauisch: was bisher okay war, kann doch nicht grundsätzlich falsch sein?
Aber Pumpen mit zu hoher Leistung und ohne elektronische Steuerung fördern buchstäblich das Geld zum Fenster raus. Noch dazu, wenn sie - wie vielfach üblich - Tag und Nacht laufen und auch im Sommer durchgehend aktiv sind. Für Umweltschützer eine alarmierende Situation, weil dem Energieverbrauch für die Pumpen - im Vergleich zum Energieverbrauch der Heizung - eine dreifache CO2 -Emission gegenübersteht.
Würden die so genannten Umwälzpumpen nur in der Heizperiode an sein und so ein Drittel der Stromkosten sparen. Und ersetzte man die überdimensionierten Pumpen durch passende kleinere mit intelligenter „lastgesteuerter“ Elektronik, dann ließen sich die Stromkosten gar um rund 80 Prozent senken.
Klartext: wenn wir das bundesweit alle täten, könnten wir auf ein Kernkraftwerk mittlerer Größe verzichten.
Was tun?
Die Kernfrage ist, wie man die richtige Pumpengröße herausfindet. Gute Handwerker beraten ihre Kunden natürlich und können die passende Leistung mit recht einfachen Mitteln ausrechnen. Wer sich selbst schlau machen möchte, hat zwei Möglichkeiten:
Erstens: durch Einsatz eines Energieberaters. Er wird dafür bezahlt, dass er neutral hilft, vom Verkauf einer wieder zu großen Pumpe also nicht profitiert. Zweitens: durch den neuen PumpenCheck auf dieser Website.
Hier geht's zum PumpenCheck
Der Austausch „alt gegen neu“ ist zwar in vielen Fällen sinnvoll und zahlt sich schon nach zwei Jahren aus, immer notwendig aber ist er nicht:
Tipp: Wenn die vorhandene Pumpe regelbar ist, probieren Sie erst mal niedrigere Laststufen aus. Fangen Sie mit der kleinsten an. Werden die Heizkörper dann immer noch gut warm, haben Sie schon so eine Menge gespart. Zirkulationspumpen für den Warmwasserkreislauf können mit einer Zeituhr intelligent gesteuert, beispielsweise nachts und tagsüber, wenn niemand da ist, ausgeschaltet werden.
Wenn Pumpen ausgetauscht werden, fallen Sie nicht auf den Handwerker „trick“ mit der Baulänge rein: auch kürzere Pumpen lassen sich mithilfe von Ausgleichstücken einsetzen. Das macht zwar etwas mehr Arbeit und erfordert ein paar Adapterstücke, kann sich aber auszahlen. Fragen Sie gezielt auch nach Energie sparenden Pumpen:
Tipp: Heute gibt es Heizungspumpen mit einem Energie-Label, wie Sie es auch von Kühlschränken und anderen Haushaltsgeräten kennen: In Energie-Stufen von A bis G und grün bis rot klassifiziert es die Verbrauchsdaten der Pumpen verständlich und übersichtlich. Verlangen Sie eine Pumpe mit hohem Effizienzwert, am besten eine „grüne“ A-Klasse-Pumpe. Vier der sieben deutschen Pumpenhersteller haben 2005 das Label eingeführt.
Blick in die Zukunft:
An der Pumpenzukunft wird heftig weiter entwickelt: statt Thermostat soll bald die Pumpe am Heizkörper für wohlige Wärme sorgen. Was im Moment noch eine Vision ist, könnte die Heiztechnik revolutionieren. Hinter dem Entwicklungsprojekt steckt eine vielleicht wegweisende Idee:
Die extrem kleine dezentrale Heizungspumpe wird direkt am Heizkörper angebracht und dadurch jeder Radiator im Haus einzeln mit Wärme versorgt. Was zunächst aufwendig anmutet, könnte für viele Gebäude eine sehr wirtschaftliche und energiesparende Lösung werden.
Heute werden die Stränge einer Heizungsanlage durch eine zentrale Umwälzpumpe versorgt, Thermostatventile sorgen für eine Drosselung an den Heizkörpern und regeln so die Wärmezufuhr. Jede Drosselung bedeutet aber Verlust. Mit der dezentralen Umwälzpumpe direkt am Heizkörper, die das Heizwasser quasi ansaugt, ließen sich diese hydraulischen Verluste vermeiden. Zusätzlich könnten die Kosten für Drossel- und Thermostatventile eingespart werden.
Gegenüber konventionellen Systemen ließen sich so 20 bis 30 Prozent Heizenergie einsparen. Der Wechsel von einer „Angebots-“ zur „Bedarfsheizung“ verspricht aber nicht nur energetischen und finanziellen Nutzen, auch der Komfort ließe sich deutlich verbessern. Denn die dezentrale Minipumpe ermöglicht eine Schnellaufheizung des Raumes, wie sie bisher nicht möglich ist.

- Bild: Honeywell GmbH
Intelligent regeln
Es geht aber noch mehr. Zwar wäre es sinnvoll, das Übel gleich an der Wurzel zu packen, aber nicht jeder Vermieter ist bereit, seine Heinzanlage auf den neuesten und damit Energie sparenden Stand zu bringen. Der Grund ist einfach: Investitionen an der Heizanlage muss der Vermieter in der Regel aus der eigenen Geldbörse leisten - den Mehrverbrauch durch alte oder schlecht gewartete Heiztechnik kann er über die Nebenkostenabrechnung auf die Mieter umverteilen.
Dennoch müssen Mieter nicht untätig zusehen, wie ihnen die Kosten weglaufen. Heizkörperthermostate, die die Raumtemperatur automatisch regeln sind heute vorgeschrieben, Mieter können ihren Einbau sogar verlangen.
Allerdings: Immer aufgedreht, verschwenden auch noch so gute Markenthermostate unnötig Energie. Umgekehrt halten sich nur wenige an die Ratschläge der Hersteller und drehen die Temperatur konsequent herunter, etwa wenn sie Lüften oder zur Arbeit gehen.
Hier können elektronische Thermostate oder so genannte Hausautomations-Systeme helfen, dass die Wohnung immer eine angemessene Temperatur hat.
(Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung von Günter Alt)








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