Fachtagung zur Abwärmenutzung in Berlin

Neuauflage nach großem Erfolg im vergangenen Jahr: Bei der zweiten Fachtagung des Bundesumweltministeriums wurde in Berlin diskutiert, wie die Abwärmenutzung vorangebracht werden kann.

2. BMUB-Fachtagung zu Klimaschutz durch Abwärmenutzung

„Passend zum Kälteeinbruch“ – so wurde die Fachtagung zu Klimaschutz durch Abwärmenutzung von Moderator Dr. Hans-Joachim Ziesing eröffnet. Rund 100 interessierte Teilnehmer aus Politik, Forschung und Wirtschaft hatten sich dazu am kalten 3. November 2016 im Tagungszentrum der Katholischen Akademie in Berlin versammelt. Das Saarbrücker Institut für ZukunftsEnergieSysteme – IZES hatte die Veranstaltung organisiert, die im Rahmen der Klimaschutzkampagne von co2online stattfand und vom Bundesumweltministerium gefördert wurde.

Das Thema der Veranstaltung ist immens wichtig: Rund 60 Millionen Tonnen CO2 können Jahr für Jahr gespart werden, wenn Abwärme konsequent genutzt würde. „In der EU fallen jedes Jahr mehr als elf Petajoule an industrieller Abwärme an“, wusste Dr. Martin Buchholz von der TU Berlin zu berichten, der bei der Fachtagung ein Projekt zum Verwerten von Abwärmepotenzialen in thermo-chemischen Netzwerken vorgestellt hat. „Damit kann man den gesamten Wärmebedarf aller Wohngebäude in der EU decken.“

Drei Diskussionsrunden über Abwärme

„Leider hängen die Früchte heute nicht mehr so tief wie in den Neunzigern“, gab Referent Guillem Tänzer vom IZES zu bedenken. Aus diesem Grund wurde insbesondere in den drei Diskussionsrunden der Fachtagung erörtert, mit welchen Förderprogrammen oder ordnungsrechtlichen Mitteln das Nutzen von Abwärme vorangebracht werden kann. Auch die Verankerung der Abwärmenutzung im Klimaschutzplan des Bundesumweltministeriums wurde erläutert. Oliver Lösch von der IREES GmbH sagte dazu: „Der Klimaschutzplan ist abwärmenutzungsfreundlich – und ich hoffe, dass das auch so bleibt.“

Beispiele für Projekte, die Abwärme bereits nutzen

Zentrales Thema der Fachtagung waren auch die vielen erfolgreichen Leuchtturmprojekte, die zum Nachahmen auffordern. Acht dieser Projekte wurden vorgestellt. So erläuterte Dr. Jens Struckmeier von der Cloud&Heat Technologies GmbH die Möglichkeiten, die Abwärme von Rechenzentren zu nutzen: „Ein einziger Prozessor hat eine Wärmeleistung von vier Herdplatten.“ Durch Wasserkühlung der Prozessoren kann diese Wärme beispielsweise zum Beheizen von Wohngebäuden genutzt werden. Bisher wird die Wärme allerdings zumeist mit elektrischen Ventilatoren abgeführt. „Es ist Idiotie, mit edler elektrischer Energie thermische Energie zu zerstören“, bewertete Dr. Andreas Sichert von der Orcan Energy AG diese Situation.

Gegen Ende der Fachtagung wurde anhand des Beispiels Landkreis Osnabrück gezeigt, dass Abwärmepotenziale und Wärmebedarfe unter anderem mit Hilfe eines umfassenden Wärmekatasters systematisch erhoben und mit einander abgeglichen werden können. Die im Landkreis liegende Kommune Ostercappeln hat sich dies zunutze gemacht und verwendet die Abwärme einer örtlichen Eiswaffelfabrik erfolgreich für die Nahwärmeversorgung von Wohngebäuden.

Dritte Fachtagung zur Abwärmenutzung angekündigt

Die Schlussworte des Tages kamen von Wolfgang Müller, der sich in seiner Zeit als Regierungsdirektor beim Bundesumweltministerium für das Nutzen von Abwärme engagiert hat: „Abwärmenutzung ist eine der wichtigsten Klimaschutzoptionen!“ Da die zweite Fachtagung gut besucht war und erfolgreich durchgeführt werden konnte, wurde abschließend eine weitere Folgeveranstaltung im nächsten Jahr in Aussicht gestellt.

Hinweis: Die Präsentationen der Referenten werden auf der Website der Veranstaltung veröffentlicht.