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Richtig lüften: Alles, was Sie wissen müssen

Verbrauchte Luft soll raus, frische rein – also ganz einfach Fenster auf. Doch in der Praxis ist es leider etwas komplizierter: Durch falsches Lüften ist die Luftqualität in Innenräumen oft zu schlecht und Heizenergie wird verschwendet. Zu hohe Luftfeuchtigkeit in der Wohnung begünstigt außerdem Schimmel. Erfahren Sie, wie Sie richtig lüften.

Die wichtigsten Tipps

  • 3- bis 4-mal täglich lüften
  • Stoßlüften statt dauerhaft gekippte Fenster
  • Schimmel vorbeugen: Luftfeuchtigkeit durch Lüften abführen
  • richtiges Lüften spart Heizenergie
  • komfortables Lüften durch Lüftungsanlagen

Gründe für regelmäßiges Lüften

Regelmäßiges Lüften sorgt für frische Luft in den Innenräumen und führt Luftfeuchtigkeit, ausgedünstete Schadstoffe (aus Möbeln, Teppichen, chemischen Reinigungsmitteln, Tabakrauch) und störende Gerüche nach draußen ab. Je mehr Menschen sich in einem Raum aufhalten, umso mehr Kohlendioxid sammelt sich durch Ausatmen in der Luft an. Die Luft ist dann „verbraucht“. Nur bei ausreichend Sauerstoff fühlen wir uns wohl und sind leistungsfähig. Zudem ist saubere, sauerstoffreiche Atemluft sehr wichtig für die Gesundheit.

In Neubauten und sanierten Gebäuden erfolgt kein Luftaustausch durch Ritzen. Auch führen Wände keine Feuchtigkeit mehr durch Diffusion nach außen. Schimmel kann durch falsches Lüften entstehen, wenn nicht genügend Luftfeuchtigkeit abgelüftet wird. Dann drohen auch Feuchteschäden an der Bausubstanz, die teilweise aufwendig und entsprechend teuer saniert werden müssen.

Zudem führen Schimmelsporen und Schadstoffe in der Luft zu Atemproblemen und Allergien. Bei einer zu hohen Konzentration an Schimmelsporen in der Atemluft, sind Räume aus gesundheitlichen Gründen unbewohnbar. Durch natürliche Prozesse reichern sich auch Keime, das radioaktive Edelgas Radon und Feinstaub in der Luft an.

Mieter sind zu einer angemessenen Wohnungslüftung verpflichtet, ansonsten können sie für selbst verursachte Schäden haftbar gemacht werden. Weitere Informationen dazu erhalten Sie bei Mietrecht.org.

Die Luftqualität und Feuchtigkeit können wir nur begrenzt einschätzen und verpassen daher oft den richtigen Zeitpunkt zum Lüften. Luftqualitätsfühler und Luftfeuchtemesser („Hygrometer”) können hilfreich sein und ans Lüften erinnern. Letztere sind schon ab etwa 5 Euro erhältlich. Luftgütemonitore oder Raumluftsensoren messen zudem die Kohlendioxid-Konzentration. Sie gibt es bereits ab 15 Euro mit Display oder ab 30 Euro als USB-Stick für den Computer. Entsprechende Erweiterungen für Wettermonitore oder Smart-Home-Systeme sind meist deutlich teurer.

Richtig lüften: Stoßlüften am effektivsten

Fenster offen lüften Himmel Landschaft

Stoßlüften mit komplett geöffneten Fenstern sorgt schnell für den benötigten Luftaustausch. Am besten sollten die Fenster auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls geöffnet werden, um für Durchzug sorgen. Dieses Querlüften ist effektiver, als Lüften mit nur einem Fenster, da die Luft im Gebäude in nur kurzer Zeit vollständig ausgetauscht wird. Allerdings sollte in der Wohnung kein dauerhafter Durchzug herrschen – ansonsten drohen steifer Nacken oder gereizte Schleimhäute. Ist nur ein Fenster vorhanden und querlüften unmöglich, muss entsprechend länger gelüftet werden. Alternativ können auch Ventilatoren für mehr Luftbewegung sorgen.

Läuft die Heizung, sollten die Thermostate während des Lüftens gedrosselt und erst nach dem Lüften wieder aufgedreht werden. So geht weniger Heizenergie verloren.

Dauerlüften mit gekippten Fenstern bringt nur wenig Luftaustausch. Stattdessen geht die von Heizkörpern aufsteigende Warmluft verloren, die Wohnung kühlt aus. Am Mauerwerk über dem Fenster bilden sich kalte Stellen, an denen Luftfeuchtigkeit kondensiert und somit Schimmel begünstigt.

Wie oft und wie lange muss ich lüften?

3- bis 4-mal tägliches Stoßlüften/Querlüften schützt vor Feuchteschäden durch Schimmel. Für ein gesundes Raumklima sollte in Räumen, in denen sich Menschen aufhalten, sogar etwa alle zwei Stunden ein vollständiger Luftaustausch erfolgen. Durch das Ausatmen steigt der Anteil an Kohlendioxid  in der Luft schnell an. Die Luft ist „verbraucht“, wir fühlen uns unwohl, werden müde oder bekommen gar Kopfschmerzen. Auch Schadstoffe wie Ausdünstungen aus Teppichen oder Möbeln müssen regelmäßig nach außen abgeführt werden.

Je nach Jahreszeit und Witterung muss zwischen 5 und 30 Minuten gelüftet werden.

Zusammengefasst hier die Empfehlung für die Dauer des Lüftens:

  • Dezember bis Februar: ca. 5 Minuten
  • im März und November: ca. 10 Minuten
  • im April und September*: ca. 15 Minuten
  • im Mai und Oktober: ca. 20 Minuten
  • im Juni, Juli und August: ca. 30 Minuten

* Zum „Ausreißer" im September: Der kommt durch die durchschnittlich vorherrschende Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit zustande. Diese ermöglicht einen schnelleren Luftaustausch als in den beiden angrenzenden Monaten.

Wie lüfte ich in Küche und Badezimmer?

Kochen, duschen, Wäsche trocknen: In Küche und Badezimmer steigt die Luftfeuchtigkeit oft schnell an. Daher besonders große Mengen an Dampf sofort ins Freie ablüften. Trocknet Wäsche, müssen die Fenster ganz geöffnet und der Raum häufiger gelüftet werden. Generell sollten Türen geschlossen bleiben, um die Luftfeuchtigkeit nicht in der Wohnung zu verteilen.

Oftmals reicht das manuelle Lüften nicht aus, daher kommen in Küchen und Badezimmern Abluftanlagen zum Einsatz. Ein Ventilator erzeugt einen Unterdruck im Raum und führt die feuchte Abluft durch einen Auslass in der Hauswand nach draußen.

Wie lüfte ich im Schlafzimmer?

Für ein gutes Raumklima mit ausreichend Frischluft sollte man vor dem Schlafengehen stoßlüften. Schlafzimmer sind bei unzureichender Belüftung besonders anfällig für Schimmel. In der Nacht kann ein Erwachsener durch atmen und schwitzen bis zu einem Liter Feuchtigkeit ausdünsten. Daher muss nach dem Aufstehen gelüftet werden. Zudem wird in Schlafzimmern weniger geheizt und der Raum ist meist kühler als Rest der Wohnung. Daher kann Luftfeuchtigkeit kondensieren. In der warmen Jahreszeit kann das Fenster auf Wunsch in der Nacht offen bleiben. Allerdings sollte man aus gesundheitlichen Gründen nicht bei Durchzug schlafen. Im Winter müssen die Fenster zudem über Nacht geschlossen gehalten werden, da der Raum zu stark auskühlen würde.

Wie lüfte ich den Keller?

Die Wände von Kellerräumen sind meist relativ kalt. Dort kondensiert die Luftfeuchtigkeit von warmer Luft, wodurch sich Schimmel bilden kann. Daher sollten Kellerräume im Sommer nur nachts oder in den frühen Morgenstunden gelüftet werden, wenn die Außentemperatur niedrig ist. Im Winter kann jederzeit gelüftet werden. Allerdings sollten die Kellerfenster in der kalten Jahreszeit nicht dauerhaft geöffnet bleiben, da sonst die Böden der Wohnräume auskühlen können und es sogar zu Frostschäden in den Kellerräumen kommen kann.

Wie lüfte ich im Sommer?

Im Sommer ist der frühe Morgen (vor Sonnenaufgang) die beste Zeit zum Lüften, weil die Außentemperatur am niedrigsten ist. Alternativ kann auch am späten Abend oder nachts gelüftet werden. Damit heiße Luft am Tag draußen bleibt, sollten ab spätestens 11 Uhr die Fenster und Außentüren nur für kurzes Stoßlüften geöffnet werden. Dauerhaften Durchzug gilt es vermeiden, auch wenn er bei Hitze verlockend ist.

Wie lüfte ich im Winter?

Im Winter bedingt richtiges Lüften auch richtiges Heizen: Anders als im Sommer reicht kürzeres Stoßlüften aus. Um Heizenergie zu sparen, müssen zuvor die Thermostate an den Heizkörpern gedrosselt und nach dem Lüften wieder aufdreht werden. Elektronische Thermostate bieten oftmals eine „Lüftenfunktion“, die erkennt, wenn Fenster geöffnet werden und die dann selbstständig die Heizung runter regulieren. Durch dauerhaft gekippte Fenster geht kontinuierlich Wärme verloren und das Mauerwerk über dem Fenster kühlt aus – Stichwort „Kältebrücke“. Luftfeuchtigkeit kondensiert dort und begünstigt Schimmel.

Zimmertüren sollten geschlossen bleiben, ansonsten gelangt warme Wohnungsluft in unbeheizte oder wenig geheizte Räume. An den kälteren Wänden kondensiert dann Luftfeuchtigkeit. Auch bei Abwesenheit die Heizung nie ganz abstellen, sodass die Temperatur nicht unter 16 Grad fällt.

Fensterscheiben sind meist die kältesten Stellen im Raum. Sammelt sich hier Kondenswasser sollte man es umgehend wegwischen. Es zeigt zudem falsches Verhalten beim Heizen und Lüften an, denn tendenziell ist die Luftfeuchtigkeit im Raum zu hoch. Es wurde zu wenig gelüftet oder die Innenluft ist zu kalt und kann daher weniger Feuchtigkeit aufnehmen. Luftfeuchtemesser („Hygrometer“) helfen, die Luftfeuchtigkeit zu kontrollieren.

Wie lüfte ich bei Regen?

Lüften ist bei jeder Witterung wichtig. Daher muss man regelmäßig die Fenster öffnen, auch wenn es regnet. Natürlich soll kein Regenwasser in die Wohnung gelangen. Demnach ist es besser, die Fenster von der Regen abgewandten Seite oder solche, die durch einen Dachvorsprung geschützt sind, zu öffnen.

Wie lüfte ich bei Heuschnupfen und Allergie?

Für Menschen mit Heuschnupfen und Allergie ist während des Pollenflugs regelmäßiges Lüften ein echtes Problem. Als Faustregel gilt, dass die Konzentration der Pollen in der Luft in Städten morgens und auf dem Land abends am geringsten ist. Zu diesen Zeiten kann gelüftet werden. Durch kurzes Stoßlüften gelangen weniger Pollen in die Wohnung, als bei langen oder gar dauerhaft gekippten Fenstern.

Besser und deutlich komfortabler ist eine Lüftungsanlage mit Pollenfilter: Pollen bleiben draußen, während die Wohnung kontinuierlich mit genügend Frischluft versorgt ist und Luftfeuchtigkeit, Schadstoffe und mehr abgeführt werden.

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Luftfeuchtigkeit in Wohnung und Haus: Gefahren und Gründe

Luftfeuchtigkeit steigt durch normales Wohnverhalten mitunter recht schnell an: Unter anderem duschen/baden, kochen, bügeln, putzen, Körperausdünstungen sorgen für hohen Anteil an Luftfeuchte. Auch Pflanzen und Zimmerbrunnen haben dabei ihren Beitrag. Bei einem 4-Personen-Haushalt müssen im Schnitt täglich bis zu 12 Liter Feuchtigkeit abgelüftet werden.

Infografik: Feuchtigkeitsquellen und ihre Wasserdampfabgabe

Mittels Luftfeuchtemesser („Hygrometer”) kann man die Werte im Auge behalten und rechtzeitig lüften. Eine behagliche und gesundheitsverträgliche Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 30 bis 65 Prozent relativer Feuchte. Liegt sie darunter, trocknen unsere Schleimhäute aus. Werte darüber begünstigen Schimmel und das Wachstum von Hausstaubmilben.

Luftfeuchtigkeit schlägt sich an kalten Stellen nieder, wobei sich nicht immer Kondenswasser bildet. Schimmelsporen und Milben genügt es, wenn die relative Luftfeuchtigkeit auf der Oberfläche mehr als 80 Prozent beträgt. Weitere Informationen über Schimmel und wie Sie ihn vermeiden, erhalten Sie in unserem Artikel „Schimmel – entfernen und vorbeugen“.

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Lüftungsanlagen

Vergleich von Fensterlüftung und Komfortlüftung

ungünstige Beurteilung   ! problematischer Aspekt   günstige Beurteilung

Fensterlüftung: manuelle, „freie“ Lüftung Komfortlüftung: Zu-/Abluft mit Wärmerückgewinnung
Wirksamkeit ! abhängig von Witterung und Lüftungsverhalten kontinuierliche und bedarfsgerechte Lüftung
Abführen von Schadstoffen! nur gesichert bei regelmäßiger Querlüftung ca. alle zwei Stunden regelmäßiges Abführen der Schadstoffe
Luftfeuchtigkeit & Schimmelrisiko! abhängig vom Lüftungsverhalten; falsches Lüften und Baumängel führen zu Schimmelpilzbildungbereits Grundlüftung vermeidet Schimmelbildung
mögliche Bauschäden durch Feuchtigkeit Feuchteschäden bei vielen unsanierten und schlecht sanierten Gebäuden zu beobachten keine Bauschäden durch Feuchtigkeit; nur bei deutlichen bauphysikalischen Mängeln; Lüftungstechnik zur Schadensbehebung möglich
Zeitaufwand ca. alle zwei Stunden Querlüftung für fünf bis zehn Minuten (eigentlich auch nachts) kein Zeitaufwand
Zugluft nur während des Lüftens bei richtiger Planung keine
Gerüche beim Heimkommen oftmals Geruchsbelastungen wahrnehmbar, die zunächst fortgelüftet werden muss frische Luft beim Heimkommen; stärkere Lüftung ggf. beim Kochen oder anderen geruchsintensiven Betätigungen möglich
Wärme und Temperaturverteilung im Raum Abkühlung durch das Lüften; Temperaturverteilung im Raum von Lüftungsweise und Wärmeschutz des Gebäudes abhängig gleichmäßige Verteilung der Wärme in den Räumen
Schallschutz Belastung durch Außenlärm während des Lüftenswirksam gegen Außenlärm; normativ höchstens 30 dB(A) in Wohnräumen vorgesehen, hochwertige Anlagen unter 27 dB(A), für zertifizierte Passivhäuser ≤ 25 dB(A)
Einbruchrisiko kein Einbruchschutz bei Kipplüftung; keine Lüftung möglich, wenn Bewohner abwesend sind Einbruchschutz jederzeit erhalten
Pollen und Insekten beim Lüften gelangen Pollen und Insekten in Wohnräume hochwertige Filter (Klasse ePM1 ≥ 50 %, früher F7 oder F8) können Pollen und Staub zu großen Teilen abhalten; Insekten bleiben überwiegend draußen
Komfort! hohe Luftqualität erfordert Wissen und ständiges Handeln der Bewohner Behaglichkeit ohne gesonderten Aufwand
Energieeffizienz und Wärmerückgewinnung Auskühlung der Räume; Verluste an Lüftungswärme: ca. 40 kWh/(m² a) Verluste an Lüftungswärme guter Anlagen mit Wärmerückgewinnung: ca. 5 kWh/(m² a)
Energie- & Wartungskosten (100 m²-Wohnung) um bis zu 300 Euro pro Jahr erhöht im Vergleich zur Komfortlüftung ca. 70 Euro Stromkosten und 60 Euro Wartungskosten; davon 50 Prozent dem erhöhten Komfort zuzurechnen

Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt

In der Praxis wird in den wenigsten Haushalten richtig gelüftet. Bei Abwesenheit ist es gar unmöglich, den Empfehlungen zu folgen. Daher herrscht in vielen Wohnungen nicht nur zu „dicke“ Luft. Auch Feuchteschäden und gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Schimmel drohen. Besonders bei „Feuchtespitzen“ in Küche und Bad kommt die manuelle Fensterlüftung an ihre Grenzen. Aufgrund von niedrigen Außentemperaturen wird besonders im Winter oftmals zu wenig gelüftet.

Für viele Wohnungen und Gebäude sind daher Lüftungsanlagen sinnvoll. In der einfachsten Variante führen sie verbrauchte Luft via Ventilatoren und Auslässe in der Hauswand ab. Zusätzlich können sie auch kontinuierlich Frischluft zuführen. Luftfilter halten Staub und Pollen aus der Wohnung fern. Komfortlüftungen gewinnen einen Großteil der Wärme aus der Abluft zurück und helfen Heizenergie zu sparen. Besondere Modelle mit Abwärmepumpe nutzen die Abwärme für Heiz- und Brauchwasser.

Erfahren Sie in unserem Überblick mehr über die verschiedenen Anlagen, wofür sie sich besonders eignen, wie sie eingebaut werden und was sie kosten.

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Autor: Jens Brehl

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