Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

CO2-Kompensation: echter Klimaschutz oder Ablasshandel?

Nicht alle Treibhausgas-Emissionen lassen sich vermeiden – durch CO2-Kompensation wollen Dienstleister dieses Manko ausgleichen. Die Idee: Wer für CO2-Ausstoß sorgt, finanziert Klimaschutzprojekte, die dann woanders die gleiche Menge einsparen. Doch nicht alle Anbieter erhalten gute Noten – und es ist nur die zweitbeste Lösung.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • viele private Anbieter für Kompensation von Verbrauchern, Unternehmen und Staaten
  • CO2-Kompensation im Test: 4 von 6 Anbietern empfehlenswert
  • Knackpunkte: Berechnen des CO2-Ausstoßes und Nachweis für tatsächliche Reduktion
  • Grundsatz: erst möglichst viel CO2 vermeiden, dann kompensieren

Was ist CO2-Kompensation?

Frau mit Solarkocher vor einer Lehmhütte(c) myclimate

Für das Klima ist es egal, wo auf der Welt Treibhausgase ausgestoßen werden – oder wo sie vermieden werden. Das ist die erste Grundannahme der CO2-Kompensation. Die zweite: Manche Treibhausgas-Emissionen lassen sich heute noch nicht vermeiden. Genau um diese geht es beim Kompensieren.

Was etwa soll die Veranstalterin einer internationalen Konferenz machen, die will, dass ihr Event dem Klima möglichst wenig schadet? Dass alle Teilnehmer zu Fuß oder mit dem Fahrrad anreisen, geht nicht. Alle anderen Formen der Anreise verursachen momentan aber schlicht noch Emissionen, gegen die die Veranstalterin nichts ausrichten kann. Sie kann jedoch jemand anderem Geld geben, damit der damit beispielsweise in Nigeria effiziente Holzöfen günstig anbietet, die dort das Abholzen von Regenwald und das klimaschädliche Verbrennen von Feuerholz reduzieren. Nach ihrer Zahlung kann die Veranstalterin sich selbst einen Klimaeffekt gutschreiben. Rechnerisch hat ihre Konferenz dann kein Treibhausgas verursacht. „Klimaneutral“ oder „CO2-neutral“ sind passende Stichworte.

Was bringt CO2-Kompensation?

Es geht bei der Klimakompensation nicht darum, CO2 einzusparen. Es ergibt sich bestenfalls ein Nullsummenspiel, wie das Beispiel der internationalen Konferenz zeigt. Wie viel das Kompensieren tatsächlich bringt, ist von vielen Faktoren abhängig – und selbst für einige Anbieter von CO2-Kompensation ist sie immer nur die zweitbeste Lösung. Besser ist es, selbst so viel CO2 wie möglich zu vermeiden.

Wer kann kompensieren?

Kurz gesagt: Jeder kann mittlerweile CO2 kompensieren. Seinen Ursprung hatte die Idee im Kyoto-Protokoll von 1997. Zuerst war CO2-Kompensation für Staaten gedacht, also eine nicht-freiwillige Maßnahme. Inzwischen gibt es auch einen riesigen freiwilligen Markt für Kompensation, auf dem Unternehmen oder Verbraucher ihre Reisen oder Veranstaltungen ausgleichen.

Wie kann ich meine CO2-Emissionen kompensieren?

Es gibt zahlreiche private Dienstleister, die Kompensation anbieten. Dazu werden die CO2-Emissionen berechnet, die durch das Vorhaben entstehen und ausgeglichen werden sollen. Für vergleichsweise einfache Vorhaben wie Reisen gibt es auf den Websites einiger Anbieter interaktive Rechner. Damit lässt sich alles bequem abwickeln: vom Berechnen bis zum Bezahlen.

Beispiel zu den Kosten der CO2-Kompensation

  • Berlin (BER) – Palma de Mallorca (PMI)
  • Hin- und Rückflug für 1 Person
AnbieterAtmosfairKlima-KollektePrimaklimaMyclimate
Klimawirkung (kg CO2)722960670 bis 960670
Kosten der Kompensation (Euro)172210 bis 1415 bis 17

Im Fall der Konferenzveranstalterin ist es wahrscheinlicher und sinnvoller, dass sie sich mit einem Mitarbeiter eines Anbieters für CO2-Kompensation zusammensetzt. Ein seriöses Unternehmen wird sie zunächst auffordern, den Klimaeffekt ihrer Veranstaltung so weit wie möglich zu senken, bevor er den Auftrag annimmt – zum Beispiel durch Ökostrom, regionales Essen oder auch die ausdrückliche Bitte an ihre Gäste, wenn möglich den Zug statt das Flugzeug zu nehmen.

Wenn klar ist, welcher CO2-Ausstoß trotz aller Klimaschutz-Anstrengungen übrig bleibt, ist pro Tonne Kohlendioxid ein Geldbetrag an den Anbieter zu zahlen. Der behält einen Teil ein, um sich selbst zu finanzieren und kauft für den Rest CO2-Zertifikate bei Klimaschutzprojekten. So wird die Veranstaltung oder Reise „klimaneutral“ oder „CO2-neutral“.

Ihre Vertrauenswürdigkeit lassen sich diese Projekte durch unterschiedliche Standards von verschiedenen Anbietern bescheinigen. Bei den Standards der CO2-Zertifikate wird es unübersichtlich, denn die Anforderungen sind sehr vielfältig. Manche berechnen zum Beispiel nur, welchen Effekt ein Projekt auf den Treibhausgasausstoß hat. Andere beziehen auch die sozialen Auswirkungen mit ein. Als empfehlenswert für CO2-Zertifikate gilt der CER-Goldstandard, ein unabhängiges Gütesiegel für Projekte in Schwellen- und Entwicklungsländern. Große Unterschiede gibt es ebenfalls in Sachen Transparenz, wie die Zeitschrift Finanztest festgestellt hat.

Welche Anbieter für CO2-Kompensation sind empfehlenswert?

Für einen Test hat Finanztest (03/2018) sechs Anbieter untersucht. Vier davon erreichten das Testurteil „sehr gut“ oder „gut“:

  • Atmosfair (sehr gut)
  • Klima-Kollekte (sehr gut)
  • Primaklima (sehr gut)
  • Myclimate (gut)

Zwei Anbieter schnitten bei Finanztest dagegen nur mit „ausreichend“ ab. Es ist deshalb für wirkungsvolles Kompensieren wichtig, bei der Auswahl des Anbieters aufzupassen – und nicht einfach das günstigste Angebot zu nutzen. Auch wenn das bei Kosten für die Kompensation von 5 bis 23 Euro je Tonne (bei den Anbietern im Test) verlockend ist.

Kritik an der CO2-Kompensation

Das Kompensieren von CO2 ist ein kompliziertes Unterfangen. Die erste Herausforderung ist, den individuellen CO2-Ausstoß zu ermitteln. Zum Beispiel bei einer Flugreise: Muss eingerechnet werden, dass Kohlendioxid in großen Höhen viel stärker aufs Klima wirkt, als wenn es auf der Erde ausgestoßen wird? Das handhaben die verschiedenen Anbieter nicht einheitlich, was oft für Kritik sorgt.

Die zweite Herausforderung ist der Nachweis, wie viel CO2 ein Klimaschutzprojekt vermeidet. Zum Beispiel durch Aufforstung, also das Pflanzen von Bäumen: Wie wird nach der abgeschlossenen Aufforstung sichergestellt, dass die Bäume nicht in zwanzig Jahren gefällt werden, wenn sie noch längst nicht die bezahlte Menge CO2 gebunden haben? Oder durch den Einsatz effizienter Öfen in Entwicklungsländern: Nutzen die Menschen vor Ort sie wirklich? Auch hier legen die Anbieter unterschiedliche Maßstäbe an und stehen daher in der Kritik.

Kritisiert wird die Kompensation von CO2 zudem oft als reiner Ablasshandel. Dabei würden scheinbar Rechte zum Verschmutzen verteilt – und so beispielsweise zu viele Flüge mit vermeintlich gutem Gewissen ermöglicht, obwohl sie nicht zwingend notwendig sind.

Fazit

CO2-Kompensation ist eine Zwischenlösung für derzeit unvermeidliche Emissionen. Sie ist allerdings auch ein unübersichtliches Feld, auf dem es um viel Geld geht. Deswegen sollte an erster Stelle immer das Vermeiden von CO2 stehen – und bei der Suche nach einem Anbieter für die zweitbeste Lösung auf Testberichte und maximale Transparenz geachtet werden.

Autorin: Susanne Schwarz

weiter

  • Ratgeberfinder

    Wie viel Strom- und Heizkosten kann ich sparen? Welche Modernisierungs-Maßnahmen lohnen sich? Gibt es Fördermittel? Hier finden Sie alle unsere EnergiesparChecks zur individuellen Beratung – kostenfrei, schnell, unabhängig.

    Jetzt Ratgeber starten