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Klimawandel: Folgen für Deutschland

Mehrere Rekordsommer haben die Wahrnehmung der globalen Erwärmung verändert. Die Folgen des Klimawandels sind in Deutschland bereits spürbar. Umso wichtiger wird die Anpassung an die regional unterschiedlichen Auswirkungen.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:

  • Klimawandel wirkt sich unterschiedlich auf Regionen Deutschlands aus
  • Trockenheit und Hitze belasten Landwirtschaft
  • Städte am Wasser müssen sich auf mehr Überschwemmungen und Sturmfluten einstellen
  • Bundesregierung bekämpft Klimawandelfolgen mit Nationaler Anpassungsstrategie
  • viele Branchen reagieren auf Veränderungen des Klimas

Anpassung an den Klimawandel bezeichnet Maßnahmen, die die Folgen des Klimawandels abmildern sollen. Sie reichen vom Umbau der Wälder auf trockenresistentere Arten bis zum Bau höherer Deiche. Anpassungsmaßnahmen für Deutschland hat die Bundesregierung im Aktionsplan Anpassung festgelegt, der als Anhang zum regelmäßigen Fortschrittsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel veröffentlicht wird.

Ein Mann sitzt in einem trockenen Feld.(c) www.iStock.com / Edgar G. Biehle

Auswirkung des Klimawandels: Deutschlands Sommer werden heißer und trockener, Dürren werden wahrscheinlicher.

Dank immer genauerer Klimamodelle und schnellerer Computer können Wissenschaftler immer genauere Aussagen über die Folgen des Klimawandels für Deutschland machen. Das wichtigste Ergebnis: Extreme Wetterereignisse nehmen zu, und generell wird es hierzulande trockener und wärmer. Die Sommer 2003, 2018 und 2019 waren die heißesten seit dem Beginn der Messungen 1881. Im niedersächsischen Lingen wurde 2019 gar ein neuer deutscher Temperaturrekord von 42,6 Grad gemessen. Die Folgen waren drastisch: Der Sommer 2003 forderte nach einer im Bundesgesundheitsblatt erschienenen Auswertung deutschlandweit 7.600 Hitzetote.

Trockener Südwesten und Belastung der Meere

Blaualgen im Badesee(c) iStock/modesigns58

Baden verboten: Blaualgen vermehren sich bei andauernder Sommerhitze.

Besonders in Ostdeutschland, genauer im Nordosten, werden die durchschnittlichen Temperaturen zunehmen – die Landwirtschaft stellt sich bereits darauf ein. Die Zahl der heißen Tage mit Spitzenwerten von mindestens 30 Grad wird bis Ende des Jahrhunderts ebenfalls deutlich steigen. Je nach Region und Stärke des Klimawandels erwartet die Vulnerabilitätsanalyse der Bundesregierung eine Zunahme um 5 bis 40 Tage – die meisten davon im Südwesten Deutschlands. In Baden-Württemberg ist langfristig auch mit der größten Zunahme von Dürren zu rechnen. Die Zahl der Tage ohne Niederschlag könnte um bis zu 60 Tage zulegen.

Insbesondere die Nächte werden heißer und sogenannte tropische Nächte häufiger, in denen das Thermometer nicht mehr unter 20 Grad Celsius sinkt. Dadurch und durch öfter auftretende und länger anhaltende Hitzewellen erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Der Anstieg der Temperatur der Weltmeere wiederum betrifft auch Nord- und Ostsee. Beispielsweise hat das Wachstum von Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. Berechnungen der Universität Hamburg zufolge könnte sich die Anzahl von Blaualgen in der Ostsee in den nächsten 30 Jahren verdoppeln. Blaualgenteppiche führen zu verstärkter Absorption von Sonnenstrahlung und somit zu einer weiteren Erwärmung der Meeresoberfläche. Abgestorbene Algen binden jede Menge Sauerstoff, was zu sogenannten Todeszonen unter Wasser führen kann. Fischen und andere Meereslebewesen fehlt dann der Sauerstoff zum Atmen.

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Auswirkungen des Klimawandels an der Nordseeküste

Wissenschaftler prognostizieren: Mehr Überschwemmungen als Auswirkunge des Klimawandels(c) iStock/micheldenijs

Wissenschaftler prognostizieren: Wir müssen uns auf häufigere Überschwemmungen als Folge des Klimawandels einstellen.

Für die Küstenstädte ist die Erderwärmung ein besonders schwerwiegendes Problem: Schmelzende Gletscher und eine wärmebedingte Ausdehnung der Wassermassen in den Ozeanen lassen die Meeresspiegel steigen, Überflutungen werden häufiger. Durch heftigere Winde werden Sturmfluten an der Nordsee künftig stärker ausfallen; zusammen mit dem Meeresspiegel-Anstieg könnten Sturmfluten in der Deutschen Bucht bis Ende dieses Jahrhunderts um 30 bis 110 Zentimeter höher auflaufen. Schon ab 2030, so das Norddeutsche Klimabüro, werden zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig.

Auch im Binnenland sind häufigere und schwerere Überschwemmungen zu erwarten. Einen Vorgeschmack boten die Oderflut 1997, das Elbehochwasser von 2002 und die Überschwemmungen im Juni 2013, die in Ost- und Süddeutschland große Schäden anrichteten. Ursache für die heftigen Regenfälle waren sogenannte Fünf-B-Wetterlagen, die feuchte Mittelmeerluft nach Norden brachten – und nach Ansicht von Experten durch den Klimawandel vermehrt auftreten werden.

Abgesehen von solchen Extremen wird das Wasser in vielen deutschen Flüssen im Sommer künftig weniger und dazu wärmer sein. Weil bei höheren Temperaturen der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt, könnten Fische massenhaft sterben. Doch nicht nur für die Natur ist das ein Problem, sondern auch für die Industrie. Kraftwerke und Fabriken, die das Flusswasser zur Kühlung einsetzen, müssen gedrosselt oder ganz abgeschaltet werden.

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Hier mehr, dort weniger Regen

Schneekanonen sorgen bei Schneemangel in Skigebieten für den nötigen Untergrund(c) iStock/walterq

Immer weniger Schnee: Schneekanonen müssen in Skigebieten für den nötigen Untergrund sorgen - um die Auswirkungen des Klimawandels auszugleichen.

Im Harz und Harzvorland wird es im Sommer weniger regnen, während es in Nordhessen mehr regnen kann. In den Alpen steigen die Temperaturen voraussichtlich etwas weniger stark als im Rest Deutschlands – Frost und Schnee aber werden auch dort deutlich seltener.

 

Anpassungen an den Klimawandel in Deutschland

Bereits 2008 hat die Bundesregierung eine „Nationale Anpassungsstrategie“ an den Klimawandel auf den Weg gebracht. Viele Branchen und Regionen – beispielsweise Städte in Küstennähe oder die Agrarindustrie – sind schon heute dazu gezwungen, auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren oder für künftige Klimafolgen vorzusorgen. Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt, dass auch relativ kostengünstige Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden können.

Hochwasserschutz

Tote Fische im See: Durch den Klimawandel erwärmt sich das Wasser, der Sauerstoffgehalt sinkt.(c) iStock/lilacmountain

Erschwerte Bedingungen für Fische als Auswirkung des Klimawandels: Das Wasser erwärmt sich, der Sauerstoffgehalt sinkt.

Die städtische Kanalisation in Großstädten wie Hamburg, teilweise mehr als hundert Jahre alt, wird mit kurzen und heftigen Starkregenfällen überfordert sein – deshalb werden Abwasserkanäle und Rückhaltebecken ausgebaut. Gleichzeitig soll der Versiegelung von Stadtflächen durch natürliche Befestigungen von Straßen und Wegen entgegengewirkt werden, damit Wasser gar nicht erst in die Kanalisation gelangt, sondern im Boden versickern kann. An der Nordseeküste Schleswig-Holsteins sind die Deiche eine große Herausforderung. Um gegen den Anstieg des Meeresspiegels, Überschwemmungen und Sturmfluten gewappnet zu sein, werden bereits kilometerlange Deichstrecken überholt und erhöht. Zusätzlich wird dabei bereits ein Klimazuschlag von weiteren 25 Zentimetern einberechnet.

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Landwirtschaft

Bundesländer wie Brandenburg oder Sachsen machen sich am meisten Sorgen um ihre Landwirtschaft. Bauern müssen sich dort auf verschobene Vegetationsphasen einrichten; sie müssen ihre Anbauzyklen und Bewässerungsmethoden auf die zunehmende Trockenheit ausrichten.

Forstwirtschaft

Die Forstleute sind längst im Wettlauf mit dem Klimawandel. Wegen der jahrzehntelangen Wachstumsphasen von Bäumen sind sie weniger flexibel als Bauern. Wärmere und trockenere Sommer bedeuten für den deutschen Wald regelrechten Hitzestress. Schadinsekten können sich stärker ausbreiten. Relativ robuste Eichen verkraften das besser als empfindliche Fichten oder feuchtigkeitsliebende Buchen. Für den Wald der Zukunft erforschen Wissenschaftler in Hessen oder Bayern die Potenziale verwandter Eichenarten aus dem süd- oder osteuropäischen Raum.

Gesundheitssystem

Auch das Gesundheitssystem wird durch den Klimawandel vor neue Herausforderungen gestellt. Alte und schwache Menschen sind ebenso wie Kinder besonders hitzeempfindlich. Auch Infektionskrankheiten breiten sich bei höheren Temperaturen schneller aus: Neben Überträgern wie Zecken sind mittlerweile auch invasive Arten wie die asiatische Tigermücke im nördlichen Europa anzutreffen, die hier bisher unbekannte Viruserkrankungen wie Denguefieber überträgt.

Tourismus

Selbst die Urlaubsgewohnheiten dürften sich an dem Klimawandel in Deutschland anpassen: Während eine Verlängerung der Badesaison an den Küsten vielerorts wohl gelegen kommt, muss sich der Ski-Tourismus in den Alpen jenseits von Schneekanonen und Skihallen neu erfinden. Weg von der Winterabhängigkeit und hin zum Vier-Jahreszeiten-Tourismus: Wie klare Bergluft im stickigen Städte-Sommer zur erfrischenden Alternative werden könnte, wird in der „Modellregion Hochschwarzwald" erforscht.

Informationsquellen zu Klimawandelfolgen und Anpassung

In der Tatenbank des Kompetenzzentrums für Klimafolgen und Anpassung im Umweltbundesamt finden Sie verschiedene Maßnahmen und Projekte zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Deutschland. In der Vulnerabilitätsanalyse hat die Bundesregierung 2015 die Verwundbarkeit Deutschlands untersuchen lassen. Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel finden sich im bundesweiten Aktionsplan Anpassung.

Wie zahlreich die Auswirkungen des Klimawandels auf Leben in Deutschland sind, wird außerdem bei einem Blick in den Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel deutlich. Von Grundwasserständen bis zu Hotel-Übernachtungen in Wintersportorten finden sich dort Dutzende Indikatoren, die die Folgen des Klimawandels begreifbar machen sollen.

In unserem Artikel „Klimawandel: Die weltweiten Folgen“ finden Sie Informationen dazu, wie sich der Klimawandel global auswirkt und welche Lösungen es auf regionaler Ebene gibt.

 

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