Passivhauskomponenten für Bestandsgebäude

Auch Bestandsgebäude können mit Passivhauskomponenten modernisiert werden. Das ist nicht immer einfach, kann sich aber durchaus lohnen. Informieren Sie sich hier über Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten.

Fenster in Hauswand(c) Architekturbüro Peterburs, Langenhagen

Die Fenster eines Passivhauses müssen sehr dicht sein.

Mit speziellen Komponenten ist es möglich, auch Bestandsgebäude zum Passivhaus umzubauen. Doch nicht jedes Gebäude ist dafür geeignet. Will man ein Bestandsgebäude auf den Passivhaus-Standard bringen, wird es etwas schwieriger als bei einem Neubau, bei dem man alle Komponenten von vornherein frei wählen kann. Der Altbau steht ja bereits fest, seine Ausrichtung ist vorgegeben. Die Fensteröffnungen entstanden vor Jahrzehnten, der Keller ist feucht und ungedämmt, die Fußböden nicht selten verrottet.

Dennoch bietet der Markt eine Fülle von speziellen Passivhauskomponenten, mit denen man in der Sanierung ein Passivhaus erreichen oder dem Standard zumindest sehr nahekommen kann. Der Wärmeübergangswert der sogenannten thermischen Hülle (Außenhaut) des Gebäudes soll so gering wie möglich sein, um Wärmeverluste durch die Wände, den Keller und das Dach zu minimieren. Sie sollten nicht mehr als 0,1 Watt je Quadratmeter Fläche und Kelvin Temperaturdifferenz zwischen Innenraum und Außenluft abgeben.

Die wichtigsten Passivhauskomponenten

Passivhaus-Fenster

Etwas problematischer wird es bei den Fenstern. Nicht immer passen Passivhausfenster mit gängigen Standardgrößen in die alte Laibung. Das Passivhaus benötigt dreifache Wärmeschutzverglasung mit entsprechend starken und dichten Rahmen, beispielsweise Vollholzrahmen mit Luftkammern. Beim Einbau wird der Rahmen um einige Zentimeter überdämmt. Es ist außerdem zu prüfen, ob Fenster nach Süden vergrößert werden können. Passivhaustaugliche Fenster haben einen Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von höchstens 0,7 bis 0,8 Watt je Quadratmeter Fensterfläche und Kelvin Temperaturdifferenz zwischen innen und außen. Besonderes Augenmerk verlangen auch die Dachfenster, denn in normalen Gebäuden geht fast ein Drittel der kostbaren Wärme nach oben über das Dach verloren. Die Laibung der Fenster und Anbauten wie Rollokästen muss man sorgfältig in die Dämmung integrieren, damit keine Wärmebrücken entstehen.

Hier erhalten Sie Informationen zu Fördermöglichkeiten für den Fensteraustausch.

Passivhaus-Lüftung

Die zweite Quelle für Wärmeverluste liegt in der Lüftung. Früher genügte der Griff zum Fenster, um Frischluft einzulassen. Die kalte Außenluft verdrängte die warme Luft aus den Räumen, dadurch ging viel Heizwärme verloren. Aufgrund der dicken Dämmung spielen im Passivhaus die Wärmeverluste durch die Lüftung die entscheidende Rolle. Weil die thermische Hülle des Passivhauses luftdicht ausgeführt wird, muss eine Anlage zur kontrollierten Wohnraumlüftung in Aktion treten. Andernfalls sammeln sich Schadstoffe, Feuchtigkeit, Kohlendioxid und Keime in der Raumluft an. Die Lüftungsanlage kann die Wärme aus der warmen Abluft an die kalte Frischluft übertragen – man spricht hier von Wärmerückgewinnung, immerhin zwischen 80 und 95 Prozent. Sehr gute Anlagen wie die sogenannten Rotationswärmetauscher gewinnen sogar die Feuchte zurück und geben sie an die Frischluft ab. Auf diese Weise kann ein kompaktes Lüftungsgerät als Lüftung, Heizung und im Sommer auch Kühlung fungieren.

Schwierigkeiten bereitet im Altbau fast immer die Frage, wo die Lüftungskanäle verlaufen sollen. Um möglichst kurze Wege zu erreichen, wird die belastete Luft immer dort abgeführt, wo viel Feuchte anfällt, also im Bad und in der Küche. Die Einströmventile für die vorgewärmte Frischluft (auch Zuluft genannt) sollten im Wohnzimmer, im Kinderzimmer und im Schlafzimmer liegen. Sie müssen frei sein und dürfen nicht verstellt werden, damit die frische Luft möglichst ungehindert in die Räume eintreten kann. Lüftungsanlagen haben Filter, die regelmäßig ausgewechselt werden müssen. Sie sind zwar wartungsarm, aber nicht wartungsfrei. Die Lüftungskanäle kann man aus flachen, ovalen Segmenten aufbauen, die nicht mehr als zehn Zentimeter hoch sind. Sie lassen sich unter einer abgehängten Decke installieren, mit den Anschlüssen zum Kompaktgerät, das im Prinzip überall hängen kann. In einem solchen zentralen Lüftungsgerät kann sich zudem eine kleine Abluftwärmepumpe befinden, die Abwärme aus der Abluft nutzt, um einen kleinen Warmwasserspeicher zu heizen (zwei Wannenfüllungen: ca. 200 Liter).

Hier erhalten Sie Informationen zu Fördermöglichkeiten für Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung.

Warmwasserversorgung

Ein Passivhaus bringt bis zu 90 % Energieeinsparung.

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Weil kaum noch Heizwärme benötigt wird, entscheidet sich die Auswahl der Wärmeerzeugung am Warmwasserbedarf. Deshalb ist es vor der Sanierung dringend notwendig, die Bedürfnisse der künftigen Nutzer genau zu erfassen und zu quantifizieren: Wie viel Liter Wasser werden am Tag von den Bewohnern gebraucht? Wann sind Stoßzeiten der Warmwasserversorgung? Wie viel Zeit hat der Wärmeerzeuger, den Warmwasserspeicher neu aufzuheizen? Die Vorgaben der einschlägigen Berechnungsnormen sind oftmals unzureichend, sie bieten lediglich Anhaltspunkte. Entscheidet man sich für Frischwassertechnik, kann ein Pufferspeicher die Erwärmung des Trinkwassers im Durchflussprinzip erledigen. Er gibt seine Wärme über einen effizienten Plattenwärmetauscher an das Kaltwasser ab. Es gibt keine stagnierenden Wasserreservoire mehr, Legionellen gehören der Vergangenheit an. Ein Pufferspeicher eignet sich sehr gut für Solarkollektoren und Luft-Wärmepumpen, die darin ihre Energie einlagern.

Es kann aber auch sinnvoll sein, in einem sanierten Gebäude auf die Bevorratung von Warmwasser zu verzichten. Wer Warmwasser in einem Speicher erwärmt, muss es mehrmals am Tag auf 65 Grad Celsius erhitzen, um die gefürchteten Legionellen und andere Mikroben abzutöten. Sie entstehen, wenn warmes Wasser stagniert, also im Speicher und in den Rohrleitungen zu den Zapfstellen. Erhitzt man das Wasser direkt an der Zapfstelle, etwa durch einen elektrischen Durchlauferhitzer mit Ökostrom, entfällt dieses Problem. Dann kommt man mit 45 Grad Celsius im Warmwasser aus. Das genügt, um Fett in der Küchenspüle zu lösen. Im Altbau sind Wärmepumpen auch nur begrenzt einsetzbar, denn nicht immer steht ausreichend Fläche am Haus zur Verfügung, um einen Flächenerdwärmeabsorber zu vergraben oder tiefe Erdsonden zu bohren. Geeignet sind Luft-Wärmepumpen, die man unterm Dach aufstellen kann oder in einem separaten Anbau. Sie nutzen die Außenluft als Wärmequelle. Ihre Energie kann durchaus ausreichen, um den geringen Wärmebedarf eines Passivhauses zu decken.

Hier erhalten Sie Informationen zu Fördermöglichkeiten von Wärmepumpen und Solarthermieanlagen.


In Zusammenarbeit mit Heiko Schwarzburger, Fachjournalist für Erneuerbare Energien.

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