Wir verwenden Cookies für den bestmöglichen Service für Sie. Mit der Nutzung unserer Webseite stimmen Sie den Datenschutzbestimmungen zu und akzeptieren die Verwendung von Cookies. Alternativ können Sie die Einstellungen anpassen.

Experten-Meinung: Nachteile einer Wärmepumpe

Contra Wärmepumpen: Nicht nur die CO2-Emissionen des Betriebsstroms werden bei der Klimabilanz oft übersehen – es gibt viele Irrtümer beim Thema Wärmepumpen. Eine Kritik von Werner Eicke-Henning vom Institut Wohnen und Umwelt GmbH (IWU).

Werner Eicke-Hennig vom Institut Wohnen und Umwelt (IWU)

Werner Eicke-Henning vom Institut Wohnen und Umwelt GmbH (IWU) räumt mit den größten Wärmepumpen-Irrtümern auf.

Wärmepumpe ja oder nein? Diese Entscheidung will aus Verbrauchersicht wohl überlegt sein. Bei 10.000 bis 15.000 Euro Mehrkosten gegenüber einem Heizkessel kann eine gute Anlagen-Effizienz erwartet werden, die auch eine hohe Umweltqualität garantiert. Die Jahresarbeitszahl von Wärmepumpen sollte bei 4,0 liegen. Das hilft bei der Amortisation der Mehrkosten und verhindert eine Erhöhung des CO2-Ausstoßes in Deutschland. Denn der Strom für Wärmepumpen stammt überwiegend aus Steinkohlekraftwerken und die stoßen mächtige 897 Gramm CO2 pro kWh aus. Ein Einfamilienhaus mit einem Jahresstromverbrauch von 10.000 kWh wäre dann für neun Tonnen CO2 verantwortlich. Bei einer Gasheizung jedoch nur für sechs bis sieben Jahrestonnen CO2 . Verbraucher sollten deshalb die folgenden Irrtümer vermeiden:

In unsanierten Altbauten sind Wärmepumpen im Nachteil

Irrtum 1: „Meinen Altbau kann ich nicht dämmen. Ich baue deshalb eine Elektrowärmepumpe ein.“

In einem ungedämmten Altbau muss die Vorlauftemperatur des Heizwassers besonders hoch sein, die Heizperiode ist lang (240 Tage), es gibt viele kleine Mängel im Heizsystem und das Teillastverhalten von Wärmepumpen in den langen „Übergangszeiten“ ist schlecht – all das sind Nachteile für den Wärmepumpeneinsatz, da es zu Lasten der Energieeffizienz der Wärmepumpe geht. Die Messungen an ausgeführten Grundwasser- und Erdreich-Wärmepumpen zeigen: Im Altbau werden im Mittel Jahresarbeitszahlen zwischen 3,1 und 3,3 erzielt, bei Luftwärmepumpen sind es nur zwischen 2,3 und 2,6. Damit stößt ein beachtlicher Teil der Wärmepumpen im ungedämmten Altbau mehr CO2 aus als ein moderner Gas-Brennwertkessel.

Eine Luft-Wärmepumpe im Garten - Ihres Jahresarbeitszahlen sind meistens schlechter als die anderer Wärmepumpen-Typen.(c) BWP

Luft-Wärmepumpen sind wenig effiziente Wärmepumpen-Typen mit relativ niedrigen Jahresarbeitszahlen.

Irrtum 2: „Ich wähle eine Luft-Wärmepumpe, alles andere ist mir zu teuer.“

Egal ob im Neu- oder Altbau: Diese Entscheidung ist grundfalsch. Deren Jahresarbeitszahlen sind mit 2,3 bis 2,6 so schlecht, dass die Umwelt auf jeden Fall mit mehr CO2 belastet wird, als bei einer modernen konventionellen Kessellösung. Der Staat hat deshalb die Förderung von Luft-Wärmepumpen an real unerreichbare Jahresarbeitszahlen gebunden.

Irrtum 3: „Meine Elektrowärmepumpe ergänze ich um einen Holzofen und eine Solaranlage. Da habe ich gleich drei Umweltenergien im Haus.“

Das ist klassisch gedacht – und grundfalsch. Denn Sie sind gerade dabei, sehr viel Geld allein in Heiztechnik zu investieren. Ihr Heizenergieverbrauch wird dadurch nicht geringer. Stecken Sie das Geld besser in Wärmeschutz und moderne Dreifachverglasung. Das würde Ihren Verbrauch drastisch verkleinern. Für immer. Dann reicht Ihnen vielleicht ein kleiner Holz-Pelletkessel. Billigere Energiespartechnik als Dämmstoffe gibt es nicht.

Nachteil einer Wärmepumpe: Sie heizt mit Hilfe von Strom

Irrtum 4: „Ich will Hightech im Heizungskeller und keinen langweiligen Heizkessel.“

Wirklich intelligent wäre, statt mit Strom zu heizen, Strom beim Heizen zu erzeugen. Hierzu dienen Blockheizkraftwerke (BHKW). Diese gibt es für größere Objekte sowie als Mini-BHKWs für Einfamilienhäuser. Sie heizen mit dem Kühlwasser, das bei der Stromerzeugung im BHKW entsteht.

Irrtum 5: „Mit Solarzellen auf meinem Dach betreibe ich meine Elektrowärmepumpe.“

Der Teufel steckt im Detail: Zunächst einmal benötigten Sie 50 bis 60 Quadratmeter Solarzellenfläche pro Einfamilienhaus (3 bis 4 kW im Winter) oder einen teuren Stromspeicher. Solarzellen produzieren im Winter wenig und nachts keinen Strom. Das aber ist ein Nachteil für den Wärmepumpen-Einsatz: Sie läuft besonders im Winter, unserer „dunklen Jahreszeit“ und wird immer am frühen Morgen benötigt. Ihre Wärmepumpe wird also real mit Kohlestrom laufen, egal wie viel Solarstrom sie im Frühjahr, Sommer oder Frühherbst ins Netz einspeisen. Und wenn ein großer Heizungsspeicher die sonnenarmen Zeiten überbrückt? Dessen Verluste verschlechtern wieder die Jahresarbeitszahl. Großspeicher sind auch die Technik für die Direktheizung mit der Sonne über Kollektoren. Für diesen Fall zapfen Sie doch gleich die Sonne an – mit Solarthermie.

Irrtum 6: „Unser Strom kommt zukünftig völlig CO2-frei aus erneuerbaren Energien.“

Auf diese Zukunft müssen wir leider noch warten. Im Moment sind viele neue Kohlekraftwerke in Planung oder Bau. Wenn wir nur noch Solar-, Wind-, und BHKW-Strom in Deutschland haben, sind wir 30 Jahre älter. 2050 kann man sich in der Tat für eine Elektrowärmepumpe entscheiden, oder besser für ein BHKW. Die Zeit bis dahin können Verbraucher nutzen, um ihre Häuser so gut zu dämmen, dass der Verbrauch unter 50 kWh pro Quadratmeter und Jahr sinkt. Auch die erneuerbaren Energien sind nicht das Schlaraffenland und haben ihren Preis.