Wir verwenden Cookies für den bestmöglichen Service für Sie. Mit der Nutzung unserer Webseite stimmen Sie den Datenschutzbestimmungen zu und akzeptieren die Verwendung von Cookies. Alternativ können Sie die Einstellungen anpassen.

Ist Übergewicht schlecht fürs Klima?

„Verursacht ein Übergewichtiger mehr oder weniger CO2-Emissionen als normalgewichtige oder dünne Menschen? Und ändert das seine Klimabilanz?“ (Isabella Mohr, Esslingen)

(c) iStock/caraman

Prof. Gottfried Kirchengast (Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz): „Die wichtigste Antwort in einem Satz: Das hängt vor allem davon ab, welchen Lebensstil und ‚ökologischen Fußabdruck’ der übergewichtige Mensch hat, wie er wohnt und haushaltet, mit welchen Verkehrsmitteln er sich fortbewegt und wovon er sich ernährt. Mit anderen Worten: Der persönliche Umgang mit und Verbrauch von zum Beispiel Strom und Wärme, von Diesel, Benzin und Kerosin, von Fleisch und exotischer Nahrung bestimmt die persönliche CO2- und Klimabilanz viel stärker als die Körpermasse.

Aber auch eine ‚zweitwichtigste’ Antwort gibt es: Wenn man einen nahezu identischen Lebensstil eines Übergewichtigen zu einem Normal- oder Untergewichtigen annimmt, verursacht der Übergewichtige etwas mehr CO2-Emissionen. Das liegt daran, dass er bei der Mobilität aufgrund der höheren Masse mehr Treibstoff verbraucht und mehr Energie für die Produktion einer höheren Nahrungsmenge benötigt wird. In der Praxis führen viele Übergewichtige andererseits ein etwas ‚ruhigeres’ Leben (weniger Auto- und Flugkilometer, geringerer Sport- und Freizeitressourcenbedarf und so weiter), sodass ‚dynamische’ Normal- oder Untergewichtige im Vergleich wieder mehr CO2 verursachen.

Das CO2 aus dem biologischen Stoffwechsel des Menschen (also seiner Aufnahme von Kohlenhydraten und Sauerstoff und seiner Abgabe von CO2 beim Ausatmen) bleibt bei der Beantwortung der Frage außer Rechnung. Diese Emissionen sind im natürlichen Kreislauf der aus Pflanzen, Tieren und Menschen bestehenden Biosphäre eingebettet (wobei die Pflanzen CO2 aufnehmen und Kohlenhydrate und Sauerstoff abgeben) und können daher klima-neutral gesehen werden. Grundsätzlich ist dieser Stoffwechsel bei Übergewichtigen, ebenso wie bei Menschen, die viel Sport treiben, intensiviert.

Fazit: Die Argumente für das Vermeiden oder Abbauen von Übergewicht sind weiterhin die bessere Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden. Die Aufgabe, möglichst viel CO2 zu vermeiden fordert uns hingegen alle gleich, egal ob dick oder dünn!“

 

Hier geht es zu allen Fragen und Antworten des Klima-Orakels.