3. Fachtagung zur Abwärmenutzung

Bereits zum dritten Mal und noch immer hochaktuell: Auf der diesjährigen Fachtagung des Bundesumweltministeriums in Berlin wurde diskutiert, wie die Abwärmenutzung weiter vorangebracht werden kann.

Feuer und Funken(c) pexels.com

„Ohne Abwärmenutzung kann die notwendige Dekarbonisierung nicht gelingen“ – so unterstrich Martin Waldhausen, Referatsleiter im Bundesumweltministerium die Relevanz des Themas und eröffnete damit die dritte Fachtagung „Klimaschutz durch Abwärmenutzung“. Über 100 Teilnehmer aus Politik, Forschung und Wirtschaft hatten sich in diesem Rahmen am 7. November 2017 im VKU-Tagungszentrum in Berlin versammelt.

Das Saarbrücker Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES gGmbH) hatte die Veranstaltung organisiert, die im Rahmen der Kampagne „Mein Klimaschutz" von co2online im Auftrag des Bundesumweltministeriums stattfand. Das Thema ist immens wichtig, wie Martin Waldhausen mit seinen einleitenden Worten belegte: Ungefähr zwei Drittel der Primärenergie gehen weltweit als Abwärme verloren. Allein in Deutschland könnten rund 60 Millionen Tonnen CO2 gespart werden, wenn industrielle Abwärme konsequent vermieden bzw. genutzt würde. Und das Jahr für Jahr.

„Restriktion Mensch“

Schwerpunkte der Fachtagung waren der Ausbau von Niedertemperatur-Wärmenetzen sowie kommunale Abwärme-Projekte. So stellten Michael Blohm und Dr. Ron Lipka vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) das Förderprogramm „Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0“ vor. Sie ermutigten die Teilnehmer, sich um die Förderung zu bewerben.

Hinweis der Redaktion:
Weitere Informationen zur Abwärme-Förderung gibt es auf der Website der BMWi-Initiative „Deutschland macht’s effizient".

Anschließend erläuterte Fabian Schmitz-Grethlein vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) die Rolle von Stadtwerken & Co. Er betonte insbesondere, dass neben der Effizienz bei der Energieerzeugung durch Abwärmenutzung auch die Bereitstellung erneuerbarer Energie beispielsweise in Form von Solarthermie zur Klimaschutzstrategie der kommunalen Unternehmen gehören müsse. Beim Großteil des kommunalen Erzeugungsparks kommen auch bereits Kraftwärmekopplung und erneuerbare Energien zum Einsatz. Als erfolgreiches Praxisbeispiel nannte Schmitz-Grethlein die Stadtwerke Karlsruhe, die Abwärme aus der ortsansässigen MiRO Mineraloelraffinerie beziehen. Aber natürlich bestehen auch Hemmnisse. In diesem Zusammenhang nannte Schmitz-Grethlein seine „Lieblingsrestriktion Faktor Mensch": Wichtige Akteure vor Ort müssen die Abwärmenutzung voranbringen und entsprechend motiviert und unterstützt werden, sonst haben die Projekte häufig keine Chance.

„Es dauert einfach“

3. Fachtagung zur Abwärmenutzung im November 2017(c) IZES

Armin Kühn von der Deutschen Energie-Agentur (dena) erläuterte die vielfältigen Möglichkeiten zur Nutzung industrieller Abwärme und die entsprechenden Anforderungen an die Wärmenetze. Dazu stellte er mit der niedersächsischen Georgsmarienhütte und der Druckerei Evers aus Schleswig-Holstein zwei innovative Projekte zur Auskopplung von Industriewärme zur kommunalen Wärmeversorgung vor. Er wies besonders auf den langfristigen zeitlichen Planungshorizont hin, der der Abwärmenutzung genau wie auch anderen Infrastrukturprojekten eigen ist. Er warnte dabei auch vor überzogenen Renditeerwartungen und plädierte dafür, die finanzielle Amortisation in einem angemessenen zeitlichen Rahmen zu denken.

In zwei weiteren Beiträgen ging es um Machbarkeitsstudien, Potenzialanalysen und Wärme-Kataster, die den Akteuren in den Kommunen wichtige Grundlagen für den klimafreundlichen Umbau der Wärmeversorgung geben. Ziel müsse es sein, erneuerbare Energien und Abwärme einzubinden. Da diese zumeist in niedrigen Temperaturbereichen vorliegen, bieten Niedertemperaturwärmenetze in Verbindung mit Wärmepumpen bessere Potenziale. Bestandswärmenetze müssen daher wo möglich angepasst werden. Beim Wärme-Kataster der Stadt Frankfurt am Main wurde insbesondere das Potenzial der Abwärme aus kommunalen Abwässern und von Rechenzentren veranschaulicht.

Abwärme nicht „durch den Kamin“

Im zweiten Block der Veranstaltung lag der Schwerpunkt auf den Erfahrungen und Hemmnissen bei der Umsetzung kommunaler Abwärmeprojekte. Am Beispiel der Städte Bretten und Frankfurt am Main wurden erfolgreiche Projekte vorgestellt und die dabei gesammelten Erkenntnisse diskutiert. Olaf Kebschull vom Ingenieurbüro Enable Energy Solutions richtete den Blick auf die innerbetriebliche Situation. Durch den Um- und Ausbau betrieblicher Wärmenetze, Wärmerückgewinnung und -speicherung böten sich erhebliche Vorteile für die kommunale Wärmewende.

Am Nachmittag stellten sich ausgewählte Referenten bei einer Podiumsdiskussion gemeinsam den Fragen des Publikums. Dabei wurden insbesondere die Motive diskutiert, aus denen heraus Abwärmeprojekte erfolgreich umgesetzt werden: Bei größeren Unternehmen spielt der grüne Imagegewinn eine wichtige Rolle. Bei kleineren Unternehmen sind häufig die regionale Verwurzelung und das damit verbundene Verantwortungsempfinden für das Aktivwerden ausschlaggebend. Eine „positive Presse“ stellt zwar für alle Beteiligte eine wichtige Motivation dar, doch darüber hinausgehende ökologische und ökonomische Motive sind vielfach der eigentliche Treiber für das Handeln: Das Bewusstsein, dass Abwärme eine Ressource ist, „die ungenutzt durch den Kamin geht“, treibt viele Akteure an.

Austausch und „Kümmerer“ wichtig

Rauch steigt über Kraftwerke auf und verdeutlicht die anfallende Abwärme(c) iStock/MichaelUtech

Abschließend wurde von mehreren Teilnehmern bekräftigt, wie wichtig „Kümmerer“ sind. Erste Impulse für Abwärmeprojekte müssen durch mindestens einen Akteur (den „Kümmerer“) aufgegriffen und vor Ort konsequent umgesetzt werden. Informelle Austauschmöglichkeiten zwischen Kommune, ansässigen Betrieben und den Bürgern können hier wichtige Startimpulse setzen. Auch erforderliche technische Anpassungen und Weiterentwicklungen, etwa bei der Speichertechnik, wurden angesprochen – ebenso wie bestehende Unsicherheiten aufgrund geringer Erfahrungswerte und Renditemöglichkeiten.

„Eine der wichtigsten Klimaschutzoptionen“

Wie in den vorangegangenen Veranstaltungen kamen die Schlussworte des Tages auch in diesem Jahr von Wolfgang Müller, der sich in seiner Zeit als Regierungsdirektor beim Bundesumweltministerium besonders für die Nutzung von Abwärme engagiert und die Fachtagung gemeinsam mit dem IZES aus der Taufe gehoben hatte. Er betonte die Dringlichkeit zum Handeln: „Abwärmenutzung ist eine der wichtigsten Klimaschutzoptionen!“ Alle entsprechenden Weichenstellungen müssen daher zügig vorangebracht werden – wozu auch der notwendige Aus- und Umbau der Wärmenetze gehört. Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung sieht vor, im Rahmen einer entsprechenden Strategie die Abwärmenutzung auch langfristig voranzubringen.

Die nächste Abwärmekonferenz wird voraussichtlich im Herbst 2018 stattfinden.


Hinweise der Redaktion:
Die Präsentationen der Referenten können auf der Website des IZES heruntergeladen werden.
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