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Kann man durch Meeresdüngung das Klima schützen?

„Kann man mit der Düngung der Meere den CO2-Gehalt der Luft senken?“ (Mense Bauer, Berlin)

(c) iStock/aldra

Prof. Dr. Andreas Oschlies (Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR): „Im Prinzip ja, der Teufel liegt aber im Detail. Die Grundidee: Durch Düngung wird das Algenwachstum gefördert. Die Algen absorbieren CO2, sterben ab und sinken mit dem CO2 in die Tiefe. Die Effizienz der Ozeandüngung hinsichtlich der CO2-Aufnahme hängt aber vor allem davon ab, wie tief die durch die Düngung entstandene Biomasse absinkt, ehe sie ‚verfault’ und dabei das zunächst gebundene CO2 wieder freisetzt. Außerdem bringt die Düngung nicht an allen Orten dieselben Erfolge. Die Ozeandüngung macht nur dann Sinn, wenn das Algenwachstum überhaupt durch Nährstoffe angeregt werden kann. Oftmals ist das Wachstum aber in erster Linie durch Lichtmangel limitiert. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die Düngung alle fehlenden Nährstoffe umfasst, die für ein verstärktes Algenwachstum nötig sind. In vielen Gebieten müssten damit sehr große Mengen Dünger eingebracht werden, wobei die durch Herstellung und Transport entstehenden CO2-Emissionen berücksichtigt werden müssen.

Richtig ist aber auch, dass es große Meeresgebiete gibt (vor allem im südlichen Ozean), in denen die meisten Nährstoffe im Oberflächenwasser reichlich vorhanden sind und das Algenwachstum nur durch den Mikronährstoff Eisen limitiert zu sein scheint. Hier kann durch Zufügen von relativ kleinen Mengen gelösten Eisens eine große Steigerung des Algenwachstums erreicht werden. Sehr optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass etwa ein Zehntel der heutigen CO2-Emissionen durch Eisendüngung zusätzlich in den Ozean eingebracht werden kann. Es ist also kein Allheilmittel. Jede Düngung ist zudem ein Eingriff in das Ökosystem, der eine Menge Nebenwirkungen hat (zum Beispiel Verschiebung des Artenspektrums, verstärkte Sauerstoffzehrung in der Tiefe), die bei einer Entscheidung für beziehungsweise gegen ein solches Vorgehen berücksichtigt werden müssen.“

 

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